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Drogenhandel im sŸdlichen Afrika: Die Hinterlassenschaft von Krieg und Apartheid [1]

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Laurent Laniel

A slightly different version of this paper was published in Regine Schšnenberg (Hsrg.), International Drogenhandel und gesellschaftliche Transformation, Deutscher UniversitŠts-Verlag, Wiesbaden, 2000.

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Abstract

When Southern Africa opened up to the world following the end of civil wars and the downfall of apartheid in the RSA in the mid-1990s, the region simultaneously became both an export and transit hub and a market for international flows of illicit substances like cocaine, heroin, hashish, marijuana and synthetic drugs. Three, macro-level, interconnected geopolitical factors are discussed in order to explain the recent mutation of the Southern African drug geopolitics: The Òethnic-political factorÓ. According to this explanation, the rampant or open civil and international conflicts arising from apartheid and the barriers it has erected between ethnic communities and countries have become a breeding ground for processes fostering the production, trafficking and consumption of banned drugs. Secondly, the Òlegacy of conflictsÓ, that is, the illegal infrastructure and expertise that were developed in the region during three decades of conflicts. The third factor is ÒbarterÓ, an age-old tool of traders around the world. Currently, drugs are well suited to play the part of a Òstrong currencyÓ in this business.

Inhalt

EinfŸhrung

I.ÊÊÊÊÊÊÊÊÊÊÊÊÊÊÊÊ SŸdafrikanische Scheidewege

II.ÊÊÊÊÊÊÊÊÊÊÊÊÊÊ Ethnische und Politische Trennungslinien

Ill.ÊÊÊÊÊÊÊÊÊÊÊÊÊÊ Die Hinterlassenschaft der Konflikte

IV.ÊÊÊÊÊÊÊÊÊÊÊÊÊ Tauschhandel

V.ÊÊÊÊÊÊÊÊÊÊÊÊÊÊ Schlu§bemerkung

Literaturverzeichnis

EinfŸhrung

ãIn our own time, the analogy between war making and state making, on the one hand, and organized crime, on the other, is becoming tragically apt.Ò Charles Tilly[2]

Bis in die frŸhen 90er Jahre spielte das sŸdliche Afrika[3] in der internationalen Drogenszene eine eher marginale Rolle. Zumindest zeigten sich lokale und internationale Beobachter nicht sonderlich besorgt Ÿber die Drogensituation in der Region. †berdies stellte und stellt der Alkoholmi§brauch Ð insbesondere von hausgemachten Bieren und Spirituosen Ð in den meisten sŸdafrikanischen LŠndern ein viel ernsteres Problem dar als der Drogenkonsum. Abgesehen von dem in der Region weit verbreiteten Genu§ von Cannabis, das lokal angebaut wird und hŠufig gesellschaftlich akzeptiert und kulturell integriert ist, sowie dem Mi§brauch von legalen Medikamenten, wurden illegale Drogen nicht Ÿberall konsumiert oder gehandelt. Eine wichtige Ausnahme ist Mandrax, ein Antidepressivum, das in der Republik SŸdafrika (RSA) bereits wŠhrend der letzten zwanzig Jahre eine breite medizinische Verwendung fand, jedoch auch mi§brŠuchlich konsumiert wurde.

Als das sŸdliche Afrika sich Mitte der 90er Jahre mit dem Ende der BŸrgerkriege und dem Zusammenbruch der Apartheid in der RSA der Welt šffnete, wurde die Region zur Drehscheibe fŸr den regionalen Export und den legalen Warentransit, aber auch zugleich fŸr die Handelswege illegaler Substanzen wie Kokain, Heroin, Haschisch, Marihuana und synthetische Drogen (hauptsŠchlich LSD und Extasy). Zum Teil kann dieser plštzliche Anstieg mit einer Schwerpunktverlagerung bei den lokalen und internationalen Strafverfolgungsbehšrden erklŠrt werden, die sich, nachdem der Frieden in den 90er Jahren in die meisten sŸdafrikanischen LŠnder zurŸckgekehrt war, in der Lage sahen, der Drogenproblematik mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Dennoch gibt es kaum Zweifel daran, da§, in realen Zahlen ausgedrŸckt, mehr Drogen in der Region gehandelt und konsumiert wurden als vorher. 1995, ein durchschnittliches Jahr, fŸr das die bislang umfassendsten Statistiken vorliegen, wurde im sŸdlichen Afrika nahezu die HŠlfte des in ganz Afrika aufgebrachten Heroins konfisziert. DarŸber hinaus fingen die Behšrden in der Region 9% des weltweit beschlagnahmten Marihuanas und 48% des Methaqualone[4] ab. WŠhrend 1995 die in Afrika konfiszierten Mengen Kokain noch gering waren[5], entfielen 73% (200 Kilogramm) des auf dem Kontinent beschlagnahmten Kokains auf das sŸdliche Afrika[6].

Im Sommer 1997 fŸhrte die Observatoire Geopolitique des Drogues (OGD) auf Anfrage der EuropŠischen Kommission[7] eine Studie im sŸdlichen Afrika durch, die die GrŸnde fŸr den drastischen Wandel erhellen sollte. Die OGD-Studie ist die erste ihrer Art, die jemals in diesem Teil der Erde durchgefŸhrt wurde, Ihr Ziel war es u.a., ein Bild von den regionalen Drogengeopolitiken zu zeichnen. Eine der vorgefundenen Schwierigkeiten bestand in der UnzuverlŠssigkeit der drogenbezogenen Polizei- und Gesundheitsstatistiken[8]. Dieses Problem existiert zwar weltweit, ist aber im sŸdlichen Afrika besonders prononciert anzutreffen. Als die Studie durchgefŸhrt wurde, hatten erst wenige der untersuchten LŠnder nationale Instrumente zur †berwachung von Drogenkonsum, -produktion oder -handel entwickelt. Die Informationen mu§ten aus einer Vielfalt an Quellen gewonnen werden, darunter auch die Gesundheits- und Polizeibehšrden, Sozialarbeiter, Journalisten, Akademiker, NGO-Mitglieder sowie Produzenten, HŠndler und Konsumenten von Drogen, um sie dann verarbeiten, vergleichen und analysieren zu kšnnen.

Der Autor schlŠgt drei geopolitische Faktoren zur ErklŠrung der jŸngsten VerŠnderung sŸdafrikanischer Drogengeopolitiken vor, die auf der Makroebene miteinander verbunden sind. Es wird nicht der Anspruch erhoben, da§ diese Faktoren die einzigen sind, sondern lediglich, da§ sie fŸr das VerstŠndnis der gegenwŠrtigen Drogensituation im sŸdlichen Afrika von zentraler Bedeutung sind.

ZunŠchst der ,,ethnisch-politische FaktorÒ: Diesem ErklŠrungsansatz zufolge bildeten die schwelenden oder offenen zivilen und internationalen Konflikte, die aus der Apartheid entstanden sind, insbesondere die Barrieren, die zwischen den ethnischen Gemeinschaften und LŠndern errichtet wurden, einen fruchtbaren Boden fŸr Prozesse, die die Produktion, den Handel und den Konsum von verbotenen Drogen befšrderten.

Eine weitere ErklŠrung ist die ãHinterlassenschaft der KonflikteÒ: sie bezieht sich auf die illegale Infrastruktur und die Sachkenntnis, die wŠhrend dreier konfliktbeladener Jahrzehnte in der Region entwickelt wurden. TatsŠchlich betrieben eine Reihe politischer und škonomischer KrŠfte wŠhrend des Kalten Krieges und der Apartheid in gro§em Umfang illegale HandelsaktivitŠten, die nichts mit Drogen zu tun hatten, innerhalb der Region sowie zwischen der Region und dem Rest der Welt. Zum grš§ten Teil dienten sie dazu, kriegfŸhrende Parteien zu alimentieren und das Embargo zu umgehen, das die internationale Gemeinschaft gegen SŸdafrika errichtet hatte. Jetzt, und SŸdafrika ist hiermit keine Ausnahme in der heutigen Welt, nehmen diese Verbindungen und Netzwerke ãneueÓ Produkte in ihr Sortiment auf, u.a. Drogen. Mit der Transition vom Krieg zum Frieden haben sich auch der Charakter und der Diskurs der illegalen Netzwerke, von ãpolitischÒ zu ãmerkantilÒ gewandelt.

Der dritte Faktor ist der Tauschhandel, ein uraltes Instrument der HŠndler in der ganzen Welt. Drogen wurden Teil der Produktpalette, die von Schmuggelnetzen gehandelt werden, weil sie Waren mit einer hohen Gewinnspanne sind. Zudem sind sie auf dem Weltmarkt leicht erhŠltlich und kšnnen jederzeit gegen Waren, die das sŸdliche Afrika anzubieten hat, getauscht werden. Drogen sind gut geeignet, die Rolle einer ãstarken WŠhrungÒ zu spielen: sie haben einen hohen Festpreis und sind der Inflation kaum unterworfen; ihre Illegalisierung garantiert die Mindestpreise und reguliert die †berproduktion. Aufgrund ihres geringen Volumens sind sie recht einfach zu transportieren und kšnnen im wachsenden regionalen Konsumentenkreis verŠu§ert, aber auch zu anderen Transaktionen verwendet werden.

Bevor diese Faktoren detailliert untersucht und in einen Gesamtzusammenhang gestellt werden kšnnen, ist es notwendig, ein umfassendes Bild der Drogenszene im sŸdlichen Afrika zu zeichnen. Die Republik SŸdafrika wird hierbei eine herausragende Rolle spielen.

I. SŸdafrikanische Scheidewege

Die Republik SŸdafrika wurde aufgrund ihres škonomischen, politischen und demographischen (41,5 Millionen Einwohner) Gewichtes, ihrer Lage auf der Weltkarte und einer vergleichsweise modernen und effizienten Infrastruktur ebenso zum Zentrum des regionalen Drogenhandels, wie auch zur Drehscheibe legaler Warenstršme des sŸdlichen Afrikas. Beschlagnahmungen und andere Indikatoren zeigen, da§ der Hauptteil des Drogenhandels auf dem Landweg abgewickelt wird. Weil die meisten Stra§en und Eisenbahnstrecken, die im 19. und frŸhen 20. Jahrhundert im sŸdlichen Afrika gebaut wurden, um die landwirtschaftlichen und bergbaulichen Ressourcen der Region zu exportieren, zu den SeehŠfen der Republik SŸdafrika fŸhren, treffen dort auch die meisten regionalen Drogenhandelsrouten zusammen. SŸdafrika ist bereits heute einer der Dreh und Angelpunkte der internationalen Drogenhandelswege und gleichzeitig Exporteur von regional produzierten, illegalen Substanzen in den Rest der Welt. Das hei§t nicht, da§ die anderen LŠnder der Region blo§e Satelliten der RSA oder SŸdafrikas DrogenhŠndler die ãBosseÒ wŠren, die die absolute Kontrolle Ÿber den regionalen Drogenhandel ausŸben. Im Gegenteil ist im Laufe der Erhebungen offensichtlich geworden, da§ alle LŠnder, auch diejenigen, die von ihrem mŠchtigen Nachbarn weitgehend abhŠngig sind, ihre eigenen Verbindungen im DrogengeschŠft aufgebaut haben. Auch verfŸgen die benachbarten LŠnder Ÿber Netzwerke, die auf den heimischen, regionalen und internationalen DrogenmŠrkten geschŠftlich aktiv sind.

Dies vorausgeschickt, sollen die in den folgenden Abschnitten aufgefŸhrten ZusammenhŠnge die zentrale Rolle der RSA in den regionalen Drogengeopolitiken weiter verdeutlichen.

Strukturelle Faktoren: Geographie, Ressourcen und Infrastruktur

Strategisch gesehen liegt SŸdafrika an den wichtigsten Schiffahrts- und Flugrouten der sŸdlichen HemisphŠre, nŠmlich zwischen SŸdamerika, hier sind besonders Brasilien und Argentinien als bedeutende Kokainkorridore[9] zu nennen, und Asien, wobei Indien und Pakistan als Heroin- und Haschischexporteure[10] einen hervorragenden Platz einnehmen. Letztere nutzen hŠufig die Route Ÿber die Arabischen Emirate, einem gro§en internationalen Schmuggelnest †berdies hat SŸdafrika gute Luftverbindungen mit Westeuropa und den Vereinigten Staaten, beides riesige DrogenmŠrkte und Heimat mŠchtiger, international tŠtiger krimineller Organisationen. Die RSA unterhŠlt besonders enge kulturelle und kommerzielle Bande zu Gro§britannien und den Niederlanden, deren kriminelle Organisationen ãKlubdrogenÒ (Extasy, LSD etc.) produzieren und exportieren und Geld waschen[11]. Die internationale organisierte KriminalitŠt ist aber auch darŸber hinaus sehr stark in SŸdafrika engagiert, da viele Kriminelle das Land als einen sicheren Hafen vor der Verfolgung in ihren HeimatlŠndern ansehen bzw. als ein verlockendes ãLand der unbegrenzten MšglichkeitenÓ fŸr die Organisation illegaler Transaktionen, einschlie§lich des Drogenhandels und der GeldwŠsche. Amerikanische, britische, chinesische, hollŠndische, franzšsische, deutsche, indische, irische, israelische und russische kriminelle Organisationen sind dafŸr bekannt, da§ sie in SŸdafrika ãGeschŠfteÓ machen[12].

Die politische und škonomische Geographie des sŸdlichen Afrikas ist ein bedeutender Faktor, der zu der prominenten Stellung der Republik SŸdafrika im regionalen wie internationalen Drogenhandel beigetragen hat. SŸdafrika vermittelt die meisten Waren-, Geld- und Dienstleistungsstršme, die die Region erreichen bzw. verlassen. Sechs der zwšlf LŠnder in der Region haben keinen Zugang zum Meer und mŸssen daher SeehŠfen in benachbarten LŠndern nutzen, um Waren und Rohstoffe importieren und exportieren zu kšnnen. Dies sind Botswana, Lesotho, Malawi, Swaziland, Sambia und Zimbabwe, die hauptsŠchlich Produkte aus der Landwirtschaft (Tabak, Zucker, Tee etc.) und dem Bergbau (Diamanten, Kupfer, Uran etc.) exportieren. Wenngleich die HŠfen der RSA nicht die einzigen im sŸdlichen Afrika sind, die den Exporteuren zur VerfŸgung stehen, so liegen sie vielen LŠndern doch am nŠchsten. Zudem werden potentielle Exporteure legaler Waren von der Unordnung, der Armut und der heruntergekommenen Infrastruktur abgeschreckt, die z.B. das NachkriegsMocambique prŠgen. Dennoch wickeln die HŠfen von Nacala, Beira und Maputo in Moambique einen Teil von Malawis, Swazilands, Sambias und Zimbabwes Warenverkehr ab. Vor allem Beira ist ein bedeutendes Schmuggelnest fŸr regionale und zugleich internationale Im- und Exporte von Drogen und Waffen. Gewisse Anteile des regionalen Warenverkehrs werden vom Hafen von Dar es-Salaam in Tansania Ÿbernommen: es liegt an der nšrdlichen Spitze der Region und schlŠgt hauptsŠchlich die Importe und Exporte von Sambia und zum Teil von Malawi um. Neben den SeehŠfen verfŸgt SŸdafrika Ÿber eine strategische Lage am Ende der regionalen Stra§en und Eisenbahnstrecken. Wegen seiner Industrie ist es zudem selbst ein gro§er Exporteur von Waren in die NachbarlŠnder. Zum Beispiel kommen 80% der offiziellen Importe Botswanas, Lesothos und Namibias aus SŸdafrika.

Die RSA ist hinsichtlich der Infrastruktur das bei weitem am besten ausgestattete Land im sŸdlichen Afrika. Es hat eine Vielzahl an FlughŠfen, die grš§tenteils nicht polizeilich Ÿberwacht sind und lange Zeit fŸr verschiedene Arten des Schmuggels mi§braucht wurden, Ihr Verkehrsnetz ist mit Abstand das beste in der Region, und ihre SeehŠfen sind modern und liegen an den wichtigen internationalen Schiffahrtsrouten. Mit einer starken und konvertierbaren WŠhrung, einer dynamischen Bšrse, einem effizienten und computerisierten Bankensystem, modernen StŠdten, einem entwickelten Industriesektor, einem boomenden Immobilienmarkt (besonders in und um Kapstadt), einer rasch expandierenden Tourismusindustrie und einer mŠchtigen GlŸcksspielindustrie ist SŸdafrika nicht nur fŸr die Elite der auslŠndischen Kriminellen attraktiv; auch sehen Tausende von Menschen aus benachbarten LŠndern, die keine Berufskriminelle sind, in der RSA einen lukrativen Markt und Umschlagplatz fŸr geschmuggelte Edelsteine, Gold, Elfenbein, Nashornhšrner, Waffen oder Drogen. Damit verdienen sie sich ihren Lebensunterhalt und kurbeln gleichzeitig die Schattenwirtschaft an. Laut einem Analytiker der internationalen Buchhaltungsfirma KPMG, gehšrt SŸdafrika fŸr GeldwŠscher zu den vielversprechendsten LŠndern in der Welt.

Bis zum Mai 1997 war GeldwŠsche in der RSA keine Straftat. Es ist zu bezweifeln, da§ die neue Gesetzgebung der RealitŠt angepa§t ist und da§ es angesichts der Korruption und der mangelhaften Ausbildung der nationalen Sicherheitsorgane mšglich sein wird, sie angemessen umzusetzen.

Weiterhin ist SŸdafrika mit vielen natŸrlichen ReichtŸmern gesegnet. Dies fšrdert die lukrativen SchmuggelaktivitŠten. Das Land ist eines der weltweit grš§ten Produzenten von Gold und Diamanten, zwei Waren, die die Existenz mŠchtiger und gut miteinander vernetzter internationaler Schmuggelringe begrŸnden, welche Afrika, Asien, den Mittleren Osten, Nord- und Lateinamerika sowie Europa (einschlie§lich Ru§land) umfassen. Zudem ist das sŸdliche Afrika Heimat der meisten noch lebenden Nashornpopulationen der Welt. Das erweckt die Habgier von Wilddiebbanden: Elefanten werden wegen ihrer Sto§zŠhne gejagt, und ein Nashomhorn kann auf dem Schwarzmarkt mehr als 4.000 US$ erzielen.

Die sŸdafrikanische Automobilindustrie lŠ§t sich auch zu den Ressourcen des Landes zŠhlen und bietet weitere Ansatzpunkte fŸr kriminelle AktivitŠten. Gro§e Automobilhersteller wie BMW, Mercedes-Benz, Toyota und Volkswagen unterhalten Montagehallen in der RSA. Allein in SŸdafrika werden Hunderttausende von Fahrzeugen jŠhrlich gestohlen, aber auch im Ÿbrigen sŸdlichen Afrika stellt Autodiebstahl ein ernsthaftes Problem dar. Die gestohlenen Fahrzeuge werden sowohl von gro§en kriminellen Organisationen als auch von unabhŠngigen kleinen Ganoven beiseite geschafft, als Ersatzteile verkauft oder in andere LŠnder (im sŸdlichen Afrika und darŸber hinaus) exportiert. Die Autoschieberei steht in mehr als einer Beziehung zum Drogenhandel: Drogendealer akzeptieren von ihren Klienten Autos als Zahlungsmittel, und gestohlene Fahrzeuge werden fŸr den grenzŸberschreitenden Drogenschmuggel benutzt.

Konsumentenkreise im sŸdlichen Afrika

Konsumentenkreise sind ein wichtiger Aspekt der Drogengeopolitiken, auch wenn dies hŠufig vernachlŠssigt wird. Lange war die BeschŠftigung mit der Nachfrage nach Drogen das Ressort der Epidemiologen, Anthropologen oder Soziologen, die sich bemŸhen, die Beziehung zwischen Drogen und Individuen bzw. Drogen und Gesellschaft (zumeist nationale Gesellschaften) zu erforschen, wŠhrend die Angebotsseite (Produktion und Handel von Drogen) zumeist von Politologen (Internationale Beziehungen), …konomen oder Geopolitikern studiert wurden[13]. Ein besseres VerstŠndnis des DrogenphŠnomens kann jedoch nur gewonnen werden, wenn die dynamische Beziehung zwischen Angebot und Nachfrage untersucht wird, also die RŠume beleuchtet werden, wo die Drogenproduktion und der Handel mit dem Drogenkonsum aufeinandertreffen und interagiere[14].

Wegen ihres gro§en Konsumentenkreises fŸr illegale Drogen zieht die RSA den Vertrieb von Substanzen an, die im sŸdlichen Afrika und jenseits der Region produziert werden. Es gibt keine SchŠtzungen zur Anzahl der Drogenkonsumenten in SŸdafrika; der Umfang der stŠdtischen Bevšlkerung und die vergleichsweise breite Mittelklasse lassen jedoch den RŸckschlu§ zu, da§ SŸdafrika den grš§ten Konsumentenkreis fŸr illegale Drogen im sŸdlichen Afrika stellt[15]. Grš§ere urbane Zentren wie Johannesburg, Pretoria, beide in der Gauteng-Provinz gelegen, die fast vollstŠndig urbanisiert ist, Kapstadt, ein grš§eres Touristengebiet, und Durban, Hauptstadt von KwaZulu-Natal mit Meereshafen, halten gro§e, diversifizierte und komplexe DrogenkonsummŠrkte bereit. Der kleinere Anteil des heimischen Marktes wird von der schwarzen, farbigen, armen drogenkonsumierenden Bevšlkerung gebildet, die in den oft riesigen Townships lebt; hier werden hauptsŠchlich Marihuana, in SŸdafrika ãdaggaÒ genannt, Mandrax und zunehmend Crack (besonders in Johannesburg[16]) konsumiert. Zwar findet Heroin auch unter den einkommensschwachen Kosumenten langsam Verbreitung, bislang bleibt der Heroinkonsum jedoch Ÿberwiegend auf die bessergestellten Kreise beschrŠnkt. Letztere reprŠsentieren den Lšwenanteil des Drogenkonsummarktes, der sich aus stŠdtischen wei§en wie bessergestellten schwarzen und farbigen Drogenkonsumenten zusammensetzt. Die vorherrschenden Substanzen in den reicheren Kreisen sind ãdaggaÒ, Kokain und Crack, ãClubDrogenÒ, Heroin (zumeist gerauchtes No. 3 Heroin, auch bekannt als ãbrauner ZukkerÒ) und Mandrax[17]. Polydrogengebrauch, d.h., der regelmŠ§ige Konsum von mehr als einer Substanz durch eine Person, ist unter den wohlhabenden wie den armen Konsumenten Ÿblich und wird immer populŠrer: entsprechend den Daten des South African National Council on Alcoholism and Drug Dependency (SANCA) hatten in der Gauteng-Provinz 1995 7%, 1996 12% und im Jahre 1997 zwischen 30 und 40% der zur Behandlung aufgenommenen Menschen mehrere Drogen gleichzeitig konsumiert.

Obwohl es schwierig ist, die verschiedenen, in SŸdafrika konsumierten Drogen nach ihrem Verbreitungsgrad zu ordnen, bleibt ãdaggaÒ landesweit, und besonders in den lŠndlichen Gebieten die verbreitetste Droge.

Der Konsum von ãdaggaÒ wird momentan in der RSA wie in den meisten sŸdafrikanischen Staaten und in Westeuropa de facto entkriminalisiert. Konkrete Anhaltspunkte fŸr die Tendenz zur Entkriminalisierung bieten u.a. Statements von Regierungsministern wie Sipho Mzimela: Der sŸdafrikanische Justizminister erklŠrte, da§ die GesetzesŠnderung, die zum Ziel hat, den Besitz von ãdaggaÒ zu entkriminalisieren, ãMillionen Steuergelder sparen kšnnteÒ. Seit einer Entscheidung im Jahr 1992 berŸcksichtigen viele sŸdafrikanische Gerichte die in der Gesellschaft weit verbreitete Toleranz gegenŸber dem Cannabis-Konsum im Land. ãÕDaggaÕ ist so leicht zu besorgen und sein Gebrauch ist so weit verbreitet, da§ ein gro§er Teil der Bevšlkerung den Besitz nicht als Verbrechen oder gar als ein gesellschaftliches Problem ansieht. (...) Die gesellschaftliche Ablehnung, die von den schweren Strafen fŸr den dagga-Besitz herrŸhrt, kann nicht Ÿbersehen werden.Ò Dennoch ist nicht jeder mit der Entkriminalisierung von ãdaggaÒ einverstanden; zu den Gegnern gehšrt Dr. Sylvain Miranda, einer der fŸhrenden Epidemiologen SŸdafrikas[18] Trotzdem scheint es unter den sŸdafrikanischen Strafverfolgungsbehšrden Konsens zu sein, da§ Cannabis weniger gefŠhrlich ist als andere verbotene Drogen. Wie ein Journalist es treffend formulierte: ãDie Polizei kŸmmert sich nicht um dagga; sie bekommt ja nicht einmal den Handel mit den harten Drogen in den Griff.Ò[19] Diese Feststellung wird von den Statistiken des South African Police Service (SAPS) gestŸtzt, wonach die Zahl der Verhaftungen fŸr den Besitz von ãdaggaÒ von 6.511 im Jahr 1992 auf 1.475 im Jahre 1996 fiel. Von Moambique bis Mauritius Ÿber Zimbabwe und Tansania kšnnen quer durch die Region dieselben Reaktionen bei den Verwaltungsbeamten beobachtet werden: zwar ist die SchŠdlichkeit von Cannabis unstrittig, und sein Status als ein jetzt verbotenes Produkt wird nicht in Frage gestellt, aber die Probleme, die im Zusammenhang mit Cannabis auftreten, werden besonders im Vergleich mit Alkohol[20] als sekundŠr eingestuft.

Eine wesentliche ErklŠrung fŸr die Toleranz der Gesellschaft gegenŸber Cannabis in der RSA und dem sŸdlichen Afrika insgesamt liegt in der Geschichte: Seit Jahrhunderten wird ãdaggaÒ von den Einwohnern der Region gepflanzt und konsumiert. Historischen Forschungen zufolge ist anzunehmen, da§ die Všlker der San, auch bekannt als ãBuschmŠnnerÓ und der Khoikhoi (Hottentotten), die frŸhesten Bewohner des sŸdlichen Teils von SŸdafrika, ãdaggaÒ bereits vor 1500 konsumierten[21]. Auch existiert in den meisten einheimischen afrikanischen Sprachen ein spezifisches Wort fŸr Cannabis[22]. Bis heute wird in vielen lŠndlichen Gebieten Marihuana als eine traditionelle Medizin angesehen, die Menschen und Tiere heile[23]. Seit Ende des 19. Jahrhunderts ist mit der BeschŠftigung von Schwarzen in den Minen und auf den gro§en Farmen die funktionale Nutzung von Marihuana unter den Arbeitern Ÿblich gewesen. Da ãdaggaÒ den Ruf hat, den Arbeitern Kraft zu verleihen[24], ermutigten wei§e Arbeitgeber hŠufig zum Konsum.

Im ãneuen SŸdafrikaÒ argumentieren manche, der Konsum von ãdaggaÒ trage dazu bei, die Kluft zwischen den Bevšlkerungsgruppen zu Ÿberwinden. Ob wahr oder nicht, Cannabis ist Teil der Kultur vieler ethnischer Gruppen, die im sŸdlichen Afrika seit Hunderten von Jahren leben.

ãDaggaÒ und der sŸdafrikanische ãCannabis-KorridorÒ

Im heutigen SŸdafrika, Lesotho, Malawi und Swaziland sind wirtschaftliche Faktoren fŸr die weitverbreitete Toleranz gegenŸber Marihuana mitbestimmend. TatsŠchlich kann dort wie in weiten Teilen Afrikas die Cannabis-Ernte die einzige bzw. grš§te Einkommensquelle ganzer Gemeinden sein. WŠhrend der Umfang der CannabisErtrŠge allgemein unbekannt ist, zeigen die vorhandenen Daten, da§ die MarihuanaProduktion in vielen sŸdafrikanischen Regionen Teil der lŠndlichen …konomie ist. Das ist besonders in Lesotho[25] und Malawi, in einigen Gebieten von Sambia und Swaziland entlang der Grenze von Mocambique und Zimbabwe der Fall, nicht zu vergessen das šstliche Kap, KwaZulu-Natal, Mpumalanga und die nšrdlichen Provinzen der RSA[26].

Im August 1996 offenbarte ein von Interpol und dem International Narcotic Control Board der Vereinten Nationen (INCB) verfa§tes Memorandum, welches sich wiederum auf einen Bericht des South African Narcotics Bureau (SANAB) stŸtzt, da§ Bilder der ,,LuftaufklŠrungÒ den Anbau von 80.000 Hektar Cannabis in der frŸheren Republik Transkei (šstliches Kap) bewiesen. Wird die Produktion dieser Region mit der gesamten sŸdafrikanischen Produktion addiert, zeigt sich, da§ SŸdafrika zur Zeit der grš§te Cannabis-Produzent der Welt ist.

Konservative westliche SchŠtzungen (1997) gehen fŸr SŸdafrika von einer GesamtanbauflŠche von ca. 35.000 Hektar aus. Bei einer ErtragsschŠtzung von 100 Kilogramm gebrauchsfertigen Marihuanas pro Hektar und Ernte sowie 1,5 Ernten pro Jahr (einige Anbaugebiete haben zwei Ernten im Jahr, andere nur eine) bedeutet dies, da§ SŸdafrika jŠhrlich um die 5.250 Metertonnen marktgŠngiges ãdaggaÒ produziert - in jeder Hinsicht eine au§erordentlich gro§e Menge.

Zusammengenommen reprŠsentieren das sŸdliche SŸdafrika sowie Lesotho und Swasiland die sŸdliche Spitze des regionenweiten ãCannabis-KorridorsÒ, der sich sŸdnšrdlich vom šstlichen Kap bis zum sŸdlichen Tansania Ÿber Teile von Ostmocambique, Ostzimbabwe, Nordostsambia und ganz Malawi erstreckt sowie ostwestlich von SŸdsambia zum šstlichen Namibia und Botswana Ÿber das nordšstliche Zimbabwe[27].

Der ,,Cannabis-KorridorÒ dehnt sich stetig aus, wobei das Marihuana der neuen dagga-Anbaugebiete in erster Linie kommerziell und nicht kulturell genutzt wird.

Obwohl der grš§te Teil des im sŸdlichen Afrika produzierten Cannabis lokal konsumiert wird, weisen Statistiken Ÿber Beschlagnahmungen darauf hin, da§ mit der †berschu§produktion der europŠische Markt beliefert wird, insbesondere das Vereinigte Kšnigreich und die Niederlande. Dort kann Cannabis gegen ãKlubdrogenÒ getauscht werden, die wiederum auf dem sŸdafrikanischen Markt angeboten werden. Marihuana aus dem sŸdlichen Afrika kommt per Luft oder See nach Europa, vor allem nach Gro§britannien, wie sich anhand von Beschlagnahmungen in den HŠfen Tilbury und Felixstowe in England wie auch in Durban und Kapstadt nachweisen lŠ§t. ReprŠsentativ fŸr die Wege des internationalen Drogenschmuggels auf dem Luftweg ist der Fall ãVersterÒ, eines frŸheren sŸdafrikanischen Geheimdienstoffiziers, der in den Diamantenschmuggel in Angola und Namibia verwickelt war. 1992 wurde Verster nach einer SŠuberungsaktion der Spezialeinheiten offiziell aus dem Dienst entlassen und im Februar 1997 am Bournemouth-Flughafen in England bei dem Versuch festgenommen, 120 Kilogramm ãdaggaÒ an Bord eines Privatjets nach England einzufŸhren.

II. Ethnische und politische Trennungslinien

Ethnische DiversitŠt und Besonderheiten sowie die Bedeutung von Geschichte und Kultur sind grundlegend fŸr das VerstŠndnis der Drogensituation im sŸdlichen Afrika. Die meisten sozialen und škonomischen AktivitŠten, die mit Drogen zusammenhŠngen, knŸpfen direkt an formelle wie informelle Traditionen und AktivitŠten an. Seitens einiger Regionalregierungen besteht die Tendenz, ethnische Unterschiede zu instrumentalisieren, um Systeme ungleichen Landbesitzes und ungerechter Ressourcenverteilung zum Wohle der jeweiligen hegemonialen ethnischen Gruppe aufrechtzuerhalten[28]. In SŸdafrika wurde solch ein System, die Apartheid, institutionalisiert und bestimmte alle Aspekte des menschlichen Lebens. Apartheid lie§ die Grenze zwischen ãethnischenÓ und ãpolitischenÓ Unterschieden verschwimmen und produzierte eine Spielart des ãClash of CivilizationÒ, wie ihn Samuel Huntington fŸr das 21. Jahrhundert voraussagte[29]. Sowohl Anti- als auch Pro-ApartheidkrŠfte fanden au§erhalb SŸdafrikas VerbŸndete; und solange die internationale politische Landschaft vom Ost-West-Konflikt geprŠgt war, integrierte der Kampf um die Apartheid die Logik des Kalten Krieges: ãKŠmpfen fŸr die RevolutionÒ versus ãden Kommunismus bekŠmpfenÒ. Dieser sŸdafrikanische Konflikt dehnte sich auf die NachbarlŠnder aus und wurde zu einem strukturellen Faktor regionaler Geopolitiken. In SŸdafrika selbst begann die Krise im Dezember 1961 mit der GrŸndung eines gemeinsamen bewaffneten FlŸgels, Umkhonto we Sizwe (ãSpeer der NationÒ), durch die beiden verbotenen Parteien der Kommunistischen Partei SŸdafrikas (SACP) und des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC): 1967-1968 startete die Bewegung von ihrer Basis in Sambia aus eine Guerilla-Kampagne in Rhodesien, dem heutigen Zimbabwe, wogegen die sŸdafrikanische Polizei intervenierte. Dann begann eine Bewegung mit Namen SŸdwestafrikanische Volksorganisation (SWAPO) fŸr die Freiheit Namibias zu kŠmpfen, das zu jener Zeit eine sŸdafrikanische Kolonie namens SŸdwestafrika gewesen ist. Nach 1975 kŠmpfte die SWAPO in Angola weiter, als Moambique und Angola ihre UnabhŠngigkeit von Portugal erlangten. Die KŠmpfe eskalierten, nachdem sich die RSA mit der Absicht, die ãkommunistische SubversionÒ so weit wie mšglich von ihren Grenzen fernzuhalten, in die BŸrgerkriege der frŸheren portugiesischen Kolonien einmischte. Bis 1989 intervenierte das sŸdafrikanische MilitŠr direkt in Angola, dann indirekt, indem es Jonas SavimbiÕs Rebellenbewegung UNITA unterstŸtzte[30]. Bis 1992 half SŸdafrika zusŠtzlich der RENAMO in Moambique. Innerhalb SŸdafrikas fŸhrten die ãSekurokratenÒ, die 1978 in Pretoria die Macht ergriffen, einen schmutzigen Krieg gegen die Anti-Apartheidgruppen, bis der ANC schlie§lich die Wahlen vom April 1994 gewann.

Der lang andauernde, ethnisch Ÿberlagerte, politische Kampf hat hohe und starke Barrieren zwischen LŠndern und Bevšlkerungsgruppen errichtet, indem er Mi§trauen, Ha§ und Gewalt fšrderte. HŠufig fanden die verschiedenen Kriegsparteien entlang ihrer politischen und ethnischen Trennungslinien in Diasporen UnterstŸtzung, bei Gruppierungen, in denen die Vorstellung herrschte, da§ ãsieÓ, nŠmlich die Mitglieder einer anderen ethnischen Gruppe, politischen Organisation oder der Staat ein Hindernis und sogar ein Feind fŸr die eigene Entwicklung seien. So leben Bevšlkerungsgruppen Seite an Seite, ohne sich je zu vermischen.

All jene Faktoren haben unterschiedliche Auswirkungen auf den aktuellen Drogenhandel. Erstens bewegen sich viele Drogenhandelsnetze in ethnisch-politischen bzw. innerhalb von Familien- oder Clanbeziehungen. Weil Drogenhandel eine illegale AktivitŠt ist, ist Vertrauen ein entscheidendes organisatorisches Element der involvierten Banden: Teilhaber, Partner, Bosse und BeschŠftigte mŸssen einander vertrauen kšnnen, zumal es keine schriftlichen VertrŠge gibt, die die TŠtigkeit regelt, und keine Gerichtsbarkeit, um potentielle Streitigkeiten zu schlichten. Ethnische, Familien- und Clanbande vermitteln dieses Vertrauen, so wie es gegenwŠrtige und vergangene ãWaffenbrŸderschaftenÒ oder die Zugehšrigkeit zu MilitŠreinheiten, Geheimdiensten, etc. tun. Die ethnische Basis des Drogenhandels stellt sicher, da§ die Netzwerke gegenŸber Au§enstehenden verschlossen und fŸr Strafverfolgungsbehšrden und Konkurrenten (die identisch sein kšnnen) undurchdringlich bleiben. So liegt das Monopol des gro§ angelegten Handels mit Mandrax und Heroin beispielsweise in Zimbabwe wie in Mauritius bei Angehšrigen der indisch-pakistanischen Bevšlkerungsgruppe, wŠhrend der Kokainhandel wei§en DrogenhŠndlern vorbehalten ist, die wei§e Zimbabwer und Touristen versorgen. Historisch gesehen wurden schwarze zimbabwische DrogenhŠndler von den Bezugsquellen ãharter DrogenÒ ferngehalten; sie handeln mit Cannabis, vor allem jedoch mit anderen Waren, wie gestohlenen Autos, Gold, Diamanten, etc. Dazu nutzen sie ebenfalls Ÿberkommene Netzwerke aus der Zeit der BŸrgerkriege. Gleiches gilt fŸr die meisten ehemaligen FreiheitskŠmpfer von Namibia.

In Sambia liegen die historischen Wurzeln vieler heutiger Mandrax-Dealerringe in Gruppen, die die Anti-Apartheid-KrŠfte des ANC und des Pan-Afrikanischen Kongresses (PAC) bereits seit Mitte der 80er Jahre mit Drogen versorgten. Es scheint, da§ der Mandrax-Handel zwischen SŸdafrika und Sambia im gro§en Stil anfangs von indisch-pakistanischen Netzwerken organisiert wurde, denen der internationale Schmuggel vertraut war. Bevor Methaqualone Mitte der 80er Jahre in Indien verboten wurde, bestachen GeschŠftsleute Beamte in Sambia (und anderen LŠndern), damit sie gro§e Mengen Mandrax bestellten, das dann als illegale Substanz an Konsumenten in SŸdafrika verkauft werden konnte. Es gibt kaum Zweifel darŸber, da§ FŸhrungspersonen aus der sambischen Regierung und dem Sicherheitsapparat des ANC und des PAC DrogenhŠndler deckten und mit ihnen kooperierten. Mit der Wahl eines neuen PrŠsidenten im Jahr 1991 scheint sich nicht viel geŠndert zu haben; Sambia hat seine Stellung als ein bedeutender, vielleicht der Mittelpunkt des Mandrax-Handels in der Region behauptet. Der Drogenhandel wird weiterhin in Form einer Partnerschaft zwischen indisch-pakistanischen GeschŠftsleuten mit entsprechenden Verbindungen in Mumbay und Dubai sowie afrikanischen Politikern und leitenden Beamten betrieben, obwohl die frŸheren Mandrax-Importeure ihre GeschŠfte heutzutage auf den Handel mit Heroin ausgedehnt haben. In SŸdafrika war der Vertrieb von Mandrax auf den Stra§en fŸr lange Zeit den farbigen Banden vorbehalten, insbesondere in Kapstadt, wo einige Gangs im Auftrag der sŸdafrikanischen Polizei tŠtig waren. Obwohl der Mandrax-Handel jetzt ãdemokratisiertÒ wurde und dank der …ffnung der internationalen Grenzen nach der Beendigung des Konflikts ein grš§erer Kreis von Leuten daran beteiligt ist, spielen die farbigen Banden weiterhin eine wichtige Rolle im internationalen Mandrax-Handel und haben ihre AktivitŠten um den Kokainvertrieb und den Autodiebstahl erweitert. Der heimische dagga-Handel hingegen wird in SŸdafrika und den meisten anderen LŠndern von Afrikanern (Zulus, Xhosas, Basothos, etc.) betrieben. Der internationale Kokain-Handel in SŸdafrika und Namibia scheint zur Zeit in den HŠnden von Angehšrigen der wei§en (Deutsche in Namibia) sowie von Bevšlkerungsgruppen aus dem Mittleren Osten (Israelis, Libanesen und Syrer) und Westafrika (Nigerianer und Ghanaer) zu liegen.

Das relativ neue PhŠnomen der Migration hat nun eine neue Dynamik in die Beziehungen zwischen EthnizitŠt und Drogenhandel in der Region gebracht. Die Barrieren zwischen den Bevšlkerungsgruppen entstehen mit der extremen MobilitŠt der Menschen. Die sŸdafrikanische Wirtschaft, insbesondere der Bergbau, hat fŸr einige Zeit eine starke Anziehungskraft auf Arbeiter aus den Anrainerstaaten ausgeŸbt. Laut dem Innenministerium in Pretoria leben zwischen 2,5 und 4,1 Millionen AuslŠnder illegal in der Republik SŸdafrika; die Weltbank schŠtzt die Zahl auf rund 5 Millionen; die sŸdafrikanische Polizei spricht von 8 Millionen, wŠhrend alle darin Ÿbereinstimmen, da§ die Gesamtbevšlkerung SŸdafrikas 41,5 Millionen betrŠgt. Die Migranten stammen zumeist aus Lesotho, Moambique, Swaziland und Zimbabwe. Nachdem Europa seine Grenzen fŸr afrikanische Immigranten praktisch geschlossen hatte, kam es zu einem zusŠtzlichen Einwanderungsboom aus anderen afrikanischen LŠndern wie Zentral- und Westafrika, insbesondere der Demokratischen Republik Kongo (DRC, Ex-Zaire), Ghana und Nigeria. Diese MobilitŠt bringt ihre eigenen HandelsaktivitŠten hervor: solche, die die Bewohner begleiten (grenzŸberschreitender Schmuggel von Menschen und Waren), solche, die ihnen die GrenzŸberschreitung erlauben (offizielle Dokumente, falsche PŠsse), und solche, die ihre Integration oder ihr †berleben vereinfachen (informeller transnationaler Handel, Drogen- und ambulanter Handel, etc.).

In den meisten LŠndern der Region haben sich nigerianische HŠndler als wichtige Importeure und Vertreiber von Kokain etabliert. Auch in SŸdafrika selbst werden in weiten Kreisen Nigerianer fŸr den jŸngsten Anstieg des Crack- und Kokainkonsums verantwortlich gemacht. Zwar kann nicht bezweifelt werden, da§ nigerianische HŠndler auf dem sŸdafrikanischen und auf anderen regionalen MŠrkten im Vertrieb von Kokain und Crack aktiv sind, aber sie sind nicht die Einzigen. Als 'neue' Immigranten werden sie allzu schnell zu brauchbaren SŸndenbšcken fŸr das weitaus umfassendere, sŸdafrikanische Drogenproblem[31]. So erklŠrt es sich auch, da§ zwei Drittel der illegalen Immigranten, die in SŸdafrika Haftstrafen absitzen, Nigerianer sind. 1993 wurden sie beschuldigt, Ÿber 50% des in SŸdafrika beschlagnahmten Kokains zu importieren. Das ist symptomatisch fŸr einen anderen Aspekt der Beziehung zwischen Drogen und EthnizitŠt: die Wahrnehmung. Mi§trauen aufgrund einer vorurteilsbeladenen Wahrnehmung ethnischer Unterschiede haben spezifische Konsequenzen fŸr die Strafverfolgung. Frei nach Jean-Paul Sartre scheint es so zu sein, da§ in SŸdafrika ãdie Droge die anderen sindÒ (la drogue, c'est les autres). Im Rahmen der OGD-Studie konnte erhoben werden, da§ es Ÿberall in der Region unter den Polizeibeamten die Tendenz gibt, die Schuld fŸr das Drogenproblem auf die jeweiligen AuslŠnder zu schieben. Es scheint, da§ Drogen eine Stellvertreterrolle fŸr die rassische Diskriminierung einnehmen und eine Mšglichkeit bieten, Vorurteile in einer Zeit aufrechtzuerhalten, in der Rassismus als politisch unkorrekt gilt. In vielerlei Hinsicht, wenn auch (noch?) nicht mit denselben schrecklichen Folgen, erinnert die regionale Situation, besonders in SŸdafrika, an die derzeitigen VerhŠltnisse in den Vereinigten Staaten, wo Schwarze und Latinos die gro§e Mehrheit der wegen Drogendelikten Inhaftierten bilden[32]. Das fŸhrt dazu, da§ die Polizei ganze Bevšlkerungsgruppen zur Zielscheibe macht, weil einige Angehšrige als DrogenhŠndler bekannt sind oder verdŠchtigt werden; gleichzeitig haben DrogenhŠndler, die einer nicht ãverdŠchtigenÒ Bevšlkerungsgruppe angehšren, erhebliche FreirŠume zu agieren. Neben Nigerianern und westafrikanischen Immigranten sind Menschen mit indisch-pakistanischem und chinesischem Hintergrund die beliebtesten SŸndenbšcke der Polizeien im sŸdlichen Afrika. Indisch-pakistanische und chinesische Bevšlkerungsgruppen gibt es Ÿberall in der Region; sie sind zumeist HŠndler und GeschŠftsleute und werden im allgemeinen von den afrikanischen Bevšlkerungsgruppen abgelehnt. In Mauritius, wo die gro§e Mehrheit der Polizeibeamten indischer Herkunft ist, sind die wegen Drogenkonsums und kleinerer Delikte verhafteten Menschen mehrheitlich arme Kreolen (d.h. Schwarze). In einem Interview mit der OGD ging ein Polizeibeamter aus Lesotho so weit, trotz gegenteiliger Beweise abzustreiten, da§ seine Landsleute irgend etwas mit Drogenhandel zu tun hŠtten, der, wie er sagte, ein Problem sei, das durch die …ffnung der Grenzen fŸr auslŠndische Einwanderer nach dem 'Ende der Konflikte' entstanden sei[33].

Umgekehrt sehen die Angehšrigen der ins Visier geratenen und zumeist škonomisch benachteiligten Bevšlkerungsgruppen die Polizei als eine repressive Kraft an, mit der sie nicht kooperieren. Viele begreifen die Straftat sogar als einen legitimen Weg, um Wohlstandsunterschiede auszugleichen, die, oft zu Recht, als Folge des ungleichen Zugangs zu Ressourcen wahrgenommen werden, der unter der Apartheid erzwungen wurde. In SŸdafrika verweisen Nicht-Wei§e oft auf diejenigen, die bereits wŠhrend der Apartheid politische Macht inne hatten und heutzutage als ãBuren-MafiaÒ erneut Ÿber erhebliche škonomische und administrative Macht verfŸgen. Dieses PhŠnomen wird als KontinuitŠt von privilegierter Rassenzugehšrigkeit, Korruption und Verbrechen wahrgenommen. Auch unter den Beamten der sŸdafrikanischen Drogenpolizei (SANAB), die als Šu§erst korrupt gelten, sind die Buren in der Mehrheit. Ein schwarzer Diamantenschmuggler, der in SŸdafrika interviewt wurde, sagte, es stelle fŸr ihn kein moralisches Problem dar, ãgro§e DiamantengesellschaftenÒ zu bestehlen, da ãsie reichen Wei§en gehšren, die das Land meinen Vorfahren gestohlen haben und die dank der Apartheid florierten, wŠhrend ich meine Familie zu ernŠhren habeÒ.

In LŠndern, in denen die Polizeibeamten zumeist aus einer spezifischen Bevšlkerungsgruppe kommen, ist es schwer, in Banden von DrogenhŠndlern einzudringen, die von Angehšrigen anderer Ethnien gebildet werden. So hat die OGD Polizisten aus Zimbabwe, wo die Polizeibeamten zumeist schwarz sind, sich beklagen hšren, da§ es keine Mšglichkeit gŠbe, eine ernsthafte Untersuchung in Drogenhandeisnetzen durchzufŸhren, die von Wei§en und Indern/Pakistani gebildet werden, weil die Polizisten sofort identifiziert wŸrden. In Mauritius sagt die mehrheitlich indische Polizei, es sei fŸr sie unmšglich, unter den tamilischen, wei§en und chinesischen Bevšlkerungsgruppen zu ermitteln.

So beeinflussen ethnische Unterschiede den Drogenhandel und die Strafverfolgung von Drogendelikten auf vielfŠltige Weise.

III. Die Hinterlassenschaft der Konflikte

Die Hauptwirkung der ethnischen und geographischen Grenzen, die frŸher die gegnerischen KrŠfte im Kampf um die Apartheid voneinander trennen sollten, war es, die regionalen Regierungen, die politischen Organisationen und ganze Bevšlkerungsteile dazu zu treiben, Zuflucht zu illegalen Mitteln zu suchen. Im sŸdlichen Afrika sahen sich zu der einen oder anderen Zeit die konkurrierenden KrŠfte, seien es škonomische, politische oder gesellschaftliche, dazu gezwungen, geheime Versorgungswege einzurichten, Embargos zu brechen und alle Arten von illegalen AktivitŠten als Einkommens- und Spionagequellen zu nutzen, aber auch um das †berleben zu sichern. Wird das Jahr 1961 als der Beginn des Kampfes um die Apartheid und die Wahl von Nelson Mandela 1994 zum PrŠsidenten von SŸdafrika als dessen Ende begriffen, bedeutet das, da§ in diesem Land wŠhrend 33 Jahren BŸrgerkrieg herrschte. Das ist mehr als genug Zeit, damit sich Praktiken einbŸrgern kšnnen, die heute fragwŸrdig erscheinen, damals jedoch als notwendig wahrgenommen wurden, um den Krieg fŸhren bzw. Ÿberleben zu kšnnen.

Der BŸrgerkrieg in SŸdafrika hatte immer auch Auswirkungen auf die NachbarlŠnder. Die sŸdafrikanischen PolizeikrŠfte, die in Namibia und Rhodesien engagiert waren, gingen mit den Berufsschmugglern Allianzen ein und rekrutierten im Inland Kriminelle, um gegen den Einflu§ von ANC und SACP in den Townships vorzugehen. Besonders in Kapstadt wurden die Banden zu eifrigen und sich selbst bedienenden Hilfstruppen von Polizei- und GeheimdienstkrŠften aus Pretoria, mit denen sie fast vollstŠndige Straffreiheit aushandeln konnten. Bis heute sind sŸdafrikanische Polizeibeamte relativ unwissend, was legale Verhšrtechniken und offizielle Gerichtsverfahren anbetrifft, weil sie, wie viele Kollegen in der Region, ausschlie§lich fŸr die politische Repression ausgebildet waren. Das mindert heutzutage deutlich ihre FŠhigkeit, der organisierten KriminalitŠt und dem Drogenhandel entgegenzutreten. In zahlreichen sŸdafrikanischen LŠndern stehen auch die Friedens- bzw. die Schiedsgerichte vergleichbaren Problemen gegenŸber.

Zum Teil haben auch die von den Anti-Apartheid-KrŠften angewandten Methoden zur ãKriminalisierungÒ der Gesellschaften und der Institutionen des sŸdlichen Afrikas beigetragen. Indem sie das Volk zur Gewalt ermutigte, wie es ab Mitte der 80er Jahre bis zu der gewonnenen Wahl 1994 geschehen ist (Morde an Polizisten und stŠdtischen Beamten sowie VerrŠtern), und indem sie Kampagnen zum zivilen Ungehorsam (Miet- und Dienstleistungsboykotte) startete, trug die Anti-Apartheid-Bewegung auch zur Mi§achtung des Gesetzes bei, eine Einstellung, die bei einem Teil der schwarzen und farbigen, besonders der jungen Bevšlkerung immer noch vorherrscht. Die Mitte der 80er Jahre an die ANC-Miliz in den Townships verteilten Waffen werden jetzt dazu benutzt, Verbrechen zu begehen. Die MilizionŠre wurden nur halbherzig demobilisiert und hatten keine oder wenig Aussichten, einen regulŠren Arbeitsplatz zu erhalten. Besonders in den gro§en StŠdten schlossen sich daher viele jungen Leute kriminellen Banden und Drogenringen an. In KwaZulu-Natal sind die Milizen der Inkhata Freedom Party (IFP) ebenfalls eng mit Taxiunternehmen sowie Cannabis- und Waffenschmuggelnetzen in den Townships verflochten. Das Problem der Integration der frŸheren FreiheitskŠmpfer in die Gesellschaft ist also nicht nur in SŸdafrika akut. In Namibia und Zimbabwe fordern die Zivilgesellschaften entweder Arbeit oder Pensionen fŸr die frŸheren Guerrillas als ein Mittel, die KriminalitŠt einzudŠmmen.

In der €ra nach den Konflikten 'arbeiten die intra-regionalen wie die internationalen Schmuggel- und Schwarzgeldnetze weiter. Nun geht es jedoch darum, fŸr ihre Mitglieder persšnliche Profite zu erzielen. Auch die Armut, in der die Mehrheit der SŸdafrikaner lebt, lŠ§t viele Menschen auf illegale AktivitŠten zurŸckgreifen, um das †berleben zu sichern. In der Vorstellungswelt vieler Menschen aller Klassen ist nach Jahrzehnten des Konflikts die Grenze zwischen legal und illegal verschwommen[34]. Die folgenden illegalen AktivitŠten begannen bzw. weiteten sich als Folge des lang andauernden BŸrgerkrieges aus.

Die Herstellung von Extasy

Ende 1996 und Anfang 1997 demontierte die SANAB drei Labore im Gebiet von Johannesburg, in denen extasyartige Stimulantien hergestellt wurden. Die dritte Polizeirazzia machte Schlagzeilen, nachdem Wouter Basson, ein Kardiologe, festgenommen wurde, als er versuchte, am 17. Januar 1997 1.000 Extasy-Tabletten zu verkaufen. Basson leitete ein streng geheimes, chemisches Forschungsprogramm, das von der South African Defense Force unter dem Deckmantel einer Scheinfirma mit dem Namen Delta-G Scientific aufgebaut worden war. Obwohl die Firma zunŠchst dem MilitŠr gehšrte, wurde sie 1991 privatisiert, und zwar, wie es scheint, vor allem zum Nutzen von Verwandten und Freunden fŸhrender sŸdafrikanischer MilitŠroffiziere. Ein anderer Delta-G Angestellter und frŸherer Forschungsleiter der Firma, Dr. Johan Koekemoer, wurde auch im Januar 1997 wegen Extasy-Besitzes festgenommen. In einem Interview erklŠrte Koekemoer, da§ er in den frŸhen 90er Jahren von einem seiner Vorgesetzten die Instruktion erhalten habe, ã1.000 Kilogramm ExtasyKristalle herzustellenÒ[35] Ð genug um Hundertmillionen Extasy-Tabletten zu produzieren. Bereits die Mandrax-Produktion seitens des sŸdafrikanischen MilitŠrs wŠhrend der 80er Jahre wurde mit den Namen ãBassonÒ und ãKoekemoerÒ in Zusammenhang gebracht[36]. In einer Zeugenaussage vor der Wahrheits- und Versšhnungskommission erklŠrte ein leitender MilitŠroffizier, die ãDrogenvorrŠteÒ der sŸdafrikanischen MilitŠrs seien 1993 im Meer versenkt worden. Diese Behauptung ist fŸr viele SŸdafrikaner kaum zu glauben, und sie fragen sich, wo die Lager der MilitŠrs wirklich aufhšrten. Mit dem Fall vertraute, sŸdafrikanische Beamte erklŠrten 1997, die Ermittlung wŸrden zeigen, da§ die Herstellung und der Verkauf von illegalen Drogen die Haupteinahmequelle fŸr das geheime chemische und biologische KriegsfŸhrungsforschungsprogramm der South African Defence Force in den 80er Jahren gewesen sei. Unterdessen wird vermutet, da§ der sŸdafrikanische militŠrische Geheimdienst einige seiner Drogen auswŠrts vermarktet haben kšnnte. Dabei geht inzwischen niemand mehr davon aus, da§ die Fakten jemals vollstŠndig ans Tageslicht gelangen werden. Die Post-Apartheid Regierung fŸhrt fŸr die ZurŸckhaltung bestimmter Dokumente und Archive Argumente der ãNationalen SicherheitÒ an.[37]

Mandrax

Methaqualone, der Wirkstoff der medizinischen Droge, die in SŸdafrika unter der Marke ãMandraxÒ bis 1974 legal verkauft wurde, ist ein Beruhigungsmittel, das vom Quinazoline abgeleitet ist. Es wurde 1951 zum ersten Mal kŸnstlich hergestellt und als ein Sedativum und Hypnotikum (in den Vereinigten Staaten unter dem Markennamen ãQuaaludeÒ) auf den Markt gebracht. Nach dem Verbot in SŸdafrika produzierte Indien Methaqualone bis 1983 weiter. In dieser Zeit versorgten in der Region um Bombay errichtete, geheime Labors den jetzt im Untergrund agierenden sŸdafrikanischen Konsumentenkreis, der sich in den 80er Jahren zum weltweit fŸhrenden Markt fŸr illegales Methaqualone entwickelte. In den spŠten 80er Jahren bis zu den frŸhen 90er Jahren fŸhrte die Strafverfolgung in Indien bei zahlreichen sŸdafrikanischen Banden zu der Tendenz bei, sich von den Zulieferern in Bombay zu lšsen. Mšglicherweise hat auch die GrŸndung des chemisch-biologischen KriegsfŸhrungsprogramms des sŸdafrikanischen MilitŠrs (siehe oben) zu der Errichtung von Labors im oder nŠher am Hauptkonsumland SŸdafrika beigetragen. Seit der spektakulŠren Beschlagnahmung von 14 Millionen Tabletten in Johannesburg (1987) wurden immer wieder geheime Laboratorien in SŸdafrika, Swaziland, Botswana und Moambique entdeckt und zerstšrt. In der jŸngeren Vergangenheit konnte die Herkunft der VorlŠufersubstanzen immer hŠufiger nach Westeuropa zurŸckverfolgt werden. Ein typischer Fall eines wahrhaft multinationalen Unternehmens war die Demontage eines Labors in der Nordwest-Provinz Lichtenburg: Die VorlŠufersubstanzen kamen aus Gro§britannien und Deutschland, der Chemiker war Brite und die Geldgeber waren Inder.

Wilderei

In den spŠten 70er Jahren avancierte SŸdafrika mit dem Segen des MilitŠrs zum Dreh- und Angelpunkt des illegalen Handels mit Elfenbein und Nashornhšrnern. 1975 begann SŸdafrika, die gro§ angelegte Wilderei in Rhodesien zu fšrdern, um seine Anti-Guerilla-EinsŠtze in dem Land finanziell abzusichern. Diese Strategie wurde dann auf Angola und Mocambique ausgeweitet, um die Waffenlieferungen und die Versorgung mit anderen GŸtern der von Pretoria unterstŸtzten GuerrillaBewegungen, UNITA beziehungsweise RENAMO, zu finanzieren. MilitŠreinheiten wurden eigens dazu abkommandiert, die gewilderte Beute zu transportieren, wŠhrend sich die mit der Vermarktung in SŸdwest- und SŸdostasien beauftragten Handelsfirmen des vollkommenen Schutzes durch die Regierung erfreuten. Dies ermutigte die Wilderer in benachbarten LŠndern wie Namibia und Swaziland, die mit HŠndlern der zwischen SŸdafrika und Angola beziehungsweise Moambique gehandelten Waren in BerŸhrung kamen.

Gold und Diamanten

Laut der SŸdafrikanischen Bergbaukammer werden jŠhrlich Ÿber 30 Metertonnen Gold (6% der Jahresproduktion von etwa 520 Tonnen) gestohlen. Das kostet die Industrie etwa 310 Millionen US$ jŠhrlich. Der Goldschmuggel ist wahrscheinlich so alt wie die Goldminen der Region, dementsprechend kšnnen die Netze au§erordentlich komplex organisiert sein. Ein Fall, der im September 1996 bekannt wurde, ist eine gute Veranschaulichung der Findigkeit dieses Sektors: Ein Schmugglerring hatte bis zu dem Zeitpunkt seiner Sprengung mehr als 206 Millionen US$ Gewinn erzielt, indem er seit Jahren wšchentlich Hunderte von Kilogramm Goldabfall kaufte, der aus den Minen in der Gegend von Johannesburg gestohlen war. Der Abfall wurde auf einer Farm in der Mpumalanga-Provinz zwischengelagert, dann auf dem Luftweg nach Moambique gebracht, wo bestochene Beamte falsche Exportpapiere bereitstellten. Das Gold wurde dann zurŸck nach SŸdafrika transportiert, wo weitere falsche Papiere fŸr die Luftfracht in LinienflŸgen nach Genf, London und Frankfurt ausgestellt wurden. Schlie§lich wurde das Gold eingeschmolzen und verkauft. Neben solchen differenzierten Organisationsformen, in die fŸr gewšhnlich ãehrenwerteÒ wei§e Investoren und GeldwŠscher verwickelt sind, dominieren HŠndler indischer Herkunft den Schmuggel in kleinerem Ma§stab.

SŸdafrikas Zentrum des Diamantenschmuggels ist Kapstadt, wo die Handelswege aus den angolanischen, namibischen und sogar kongolesischen (DRC) Diamantenfeldern zusammenlaufen. In Kapstadt sitzen regulŠre, aber auch viele illegale Diamantenschleifer. Ihre Arbeit ist es, die von Klienten, einschlie§lich den Schmugglern, zu ihnen gebrachten rohen Edelsteine fŸr eine normalerweise festgelegte GebŸhr zu schneiden und zu polieren. Portugiesische und israelische Staatsangehšrige, Buren und Kapstadt-Malaien sind in diesem Handel sehr aktiv. Besonders zu erwŠhnen ist, da§ die riesige Firma De Beers den illegalen Handel, dessen Opfer sie ist, indirekt unterstŸtzt, indem sie systematisch auf dem Schwarzmarkt Steine aufkauft, um die Kontrolle zu behalten. Diamantenhandelsnetze kšnnen hochentwickelt sein und mit Millionen von Dollars handeln. AbhŠngig von der QualitŠt der Diamanten kann der Verkaufspreis, sind sie einmal geschnitten und poliert, bis zu fŸnfzig Mal so hoch sein, wie der Einkaufspreis; er betrŠgt mindestens das Dreifache. Bezeichnenderweise werden Diamanten aus den Minen in SŸdafrika, Namibia und Angola von Minenarbeitern gestohlen, die sie an einen KŠufer in den nahegelegenen StŠdten verkaufen. Einigen Arbeitern, die es leicht haben, in den Minen zu stehlen, zahlt der KŠufer, den sie regelmŠ§ig mit Edelsteinen beliefern, ein festes Monatsgehalt. Andere arbeiten auf einer weniger systematischen Basis; sie stehlen nur, wenn sich die Gelegenheit ergibt, und handeln den Preis der gestohlenen Diamanten mit dem KŠufer jedesmal neu aus. Die AufkŠufer aus der Kleinstadt verkaufen dann die ãRohlingeÒ an auswŠrtige KŠufer (eine Reihe von ihnen ist aus Kapstadt und Johannesburg), die die Infrastruktur und die Kontakte haben, die notwendig sind, um die Edelsteine zu schneiden und, zumeist auf dem Luftweg, ins Ausland zu exportieren: nach Europa (Antwerpen), in den Mittleren Osten (Israel), nach Indien und in die Vereinigten Staaten (New York). Einige haben mit Sicherheitsbeamten an den gro§en FlughŠfen in SŸdafrika (Kapstadt und Johannesburg) Abmachungen getroffen: sie werden monatsweise bestochen, damit die Schmuggler ungehindert das Land verlassen kšnnen. Weil Diamanten klein sind, ist es auch nicht schwer, sie zu verstecken. Eine weitere Option fŸr die KŠufer in den KleinstŠdten ist es, das Risiko einzugehen, die Steine Ÿber ihre eigenen Kontakte in Kapstadt schneiden und polieren zu lassen und so einen grš§eren Anteil an den Profiten einzubehalten. Sie verkaufen dann die Diamanten direkt an die Exporteure in Kapstadt. Einige Minenarbeiter (die OGD traf einen in Windhoek, der Hauptstadt von Namibia) planen regelrecht ihre Laufbahn als Diamantenschmuggler: Sie sparen Geld, um zu studieren und dann zur Arbeit in den Minen zurŸckzukehren. Dadurch kšnnen sie einen ãbesserenÒ Job erhalten, d.h. einen, bei dem es einfacher ist, Diamanten zu stehlen und an den Sicherheitsleuten vorbeizuschmuggeln. In Teilen SŸdafrikas und Namibias ist Diamantenschmuggel eine richtiggehende Industrie, die KleinstŠdte und ganze Gemeinden unterhŠlt. Die meisten DiamantenkŠufer besitzen in den StŠdten LŠden, Kneipen, Restaurants oder Hotels, um ihre Anwesenheit zu rechtfertigen und ihr Geld zu waschen. Obwohl diese GeschŠfte fŸr gewšhnlich Teil eines GeldwŠschesystems sind, liefern sie auch ãechteÒ Dienstleistungen und sind nŸtzlich fŸr die Gemeinde.

In StŠdten wie Ondangwa und Oshakati, in Nordnamibia nahe der Grenze mit Angola, nutzen angolanische HŠndler, die die Grenze in ihren Lastkraftwagen Ÿberqueren, um in den Dutzenden von SupermŠrkten entlang der Hauptstra§e Nahrungsmittel und andere Waren des tŠglichen Bedarfs zu kaufen, Diamanten, Dollars, Marihuana und Kokain als WŠhrung. Diamanten werden auch Ÿber Westsambia aus Angola heraus geschmuggelt: durch die bŸrgerkriegsgeschŸttelte Demokratische Republik Kongo verlŠuft eine Route geschmuggelter Diamanten, die ihren Weg insbesondere Ÿber Nordsambia nimmt. Zusammengenommen ist der Diamantenschmuggel eine komplexe, viele Millionen Dollar schwere Industrie, die den Lebensunterhalt von Hunderttausenden, vielleicht sogar Millionen von Menschen im westlichen und mittleren Teil des sŸdlichen Afrikas erwirtschaftet.

GeldwŠsche

Als eine direkte Folge der škonomischen Sanktionen hat SŸdafrika wŠhrend vieler Jahre auslŠndisches Kapital, auch von zweifelhafter Herkunft, mit offenen Armen willkommen gehei§en. 1987 gestand ein Direktor des militŠrischen Geheimdienstes wŠhrend eines Besuches in den Vereinigten Staaten ein: ãWir waren immer stark auf auslŠndisches Kapital angewiesen. Infolgedessen ist SŸdafrika eines der wenigen LŠnder, in denen dem Auslandskapital keine wie auch immer geartete Kontrolle auferlegt wird. Jeder AuslŠnder kann ohne BeschrŠnkungen Geld Ð ob âschmutzigÕ oder nicht Ð nach SŸdafrika oder au§erhalb des Landes bringenÒ[38]. Von der Aussage des Generals lŠ§t sich ableiten, da§ das, was wir jetzt ãGeldwŠscheÒ nennen, schon einige Zeitlang in gro§em Ma§stab in SŸdafrika praktiziert wurde. Selbst die Bank of South Africa drŸckte zum Wohl des Staates bei Betrug und Devisenschmuggel alle Augen zu. FŸr die fragwŸrdigen GeschŠfte, die am sichtbarsten waren, wurde es zur Gewohnheit, sich auf ZwischenmŠnner zu verlassen, denen die Feinheiten des internationalen Finanzwesens (siehe unten) vertraut waren und die Transaktionen in ãOffshoreÒ-MŠrkten wie den Seychellen und benachbarten LŠndern durchfŸhrten[39]. Das Wachstum der Freizeitindustrie (Kasinos und Luxushotels) in den ãbantustansÒ, insbesondere in Bophuthatswana (jetzt Nordwest-Provinz) machte die politische Entscheidung, die GeldwŠsche zu fšrdern, offenbar. WŠhrend des Apartheid-Systems konnten in illegale Transaktionen involvierte Geheimdienstler, Banker und Politiker meistens von Straffreiheit ausgehen; auch nach dem Sturz des rassistischen Regimes wurden in SŸdafrika die Verbindungen zwischen organisierter KriminalitŠt und der Regierung nicht vollstŠndig aufgelšst.

In vielen sŸdafrikanischen LŠndern herrschen vergleichbare ZustŠnde, besonders hinsichtlich der GeldwŠschestrukturen, die hŠufig mit der Finanzierung von BŸrgerkriegen in Verbindung stehen. Auch in der Region tŠtige, westeuropŠische Kriminelle haben in der Vergangenheit einem oder mehreren Kriegsparteien ãGefŠlligkeitenÒ erwiesen, und es darf vermutet werden, da§ sie jetzt weiterhin ãSpezialdiensteÒ leisten. In diesem Zusammenhang bietet es sich an, das Beispiel des italienischen Mafioso Vito Palazzolo zu erwŠhnen. Es zeigt, da§ das ãKnow-howÒ des organisierten Verbrechens, in diesem Fall die ãfinanzielle ZaubereiÒ, sogar nach dem Ende der Apartheid nŸtzlich sein kann. Palazzolo, prominentes Mitglied von Siziliens Cosa Nostra und frŸherer Bankier des internationalen Heroinnetzes ãPizza ConnectionÒ, wird von der italienischen Polizei gesucht. Heute lebt Palazzolo in Kapstadt, nennt sich Robert von Palace Kolbatschenko, und beruft sich auf eine deutsche aristokratische Abstammung. Ihm wurde in SŸdafrika 1987 zunŠchst eine Aufenthaltserlaubnis bewilligt. Diese Erlaubnis wurde bereits einige Male erneuert. 1993 geschah dies bemerkenswerterweise anlŠ§lich einer Kabinettssitzung unter dem Vorsitz von PrŠsident F.W. de Klerk, obwohl ein internationaler Haftbefehl gegen Palazzolo anhŠngig war. Palazollo soll einer der Hauptfinanziers von De KlerkÕs National Party gewesen sein und konnte schlie§lich 1995 die sŸdafrikanische StaatsbŸrgerschaft erlangen. Die italienischen Behšrden sagen, da§ er das Portefeuille der Auslandsinvestitionen sizilianischer Top-Mafiosi verwaltet, einschlie§lich von Toto Riina, dem gefangenen ãcapo di tutti capiÒ der Cosa Nostra. †ber eine auf den britischen Jungferninseln registrierte Firma besitzt Palazzolo angeblich Diamantenminen in SŸdafrika und Angola, wŠhrend seine Kapitalanlagen allein in SŸdafrika und Namibia mit 25 Millionen Rand (Ÿber 5 Millionen US$) beziffert werden. Au§erdem ist Palazollo dafŸr bekannt, da§ er in der šstlichen Kap-Provinz, der frŸheren Republik Transkei, Eigentum besitzt und GeschŠfte macht. Das šstliche Kap ist eines der drei Hauptproduktionsgebiete von Marihuana in SŸdafrika, und es ist eine ANC Wahlhochburg. Bis heute erfreut sich Palazzolo hochkarŠtiger Kontakte in der gegenwŠrtigen sŸdafrikanischen Geheimdienstgemeinde und ist mit fŸhredn sŸdafrikanischen Gestalten aus der Unterwelt, wie etwa Rashied Staggie, bekannt[40]. Der Chef der Presidential Investigation Task Unit, ein geheimes Polizeikommando mit Basis in Kapstadt, das die organisierte KriminalitŠt untersucht und deren Mitglieder enge Verbindungen zu hohen Beamten der Regierung von Nelson Mandela unterhalten, schrieb am 27. August 1997 einen Brief an Palazzolo. Darin versichert er ihm, da§ die sŸdafrikanischen Behšrden nichts Verwerfliches an seinen AktivitŠten finden konnten. Wahrscheinlich ist das der Grund, warum ihn die sŸdafrikanische Polizei nicht behelligte, als ein italienischer Richter im Februar 1998 um seine sofortige Festnahme und Auslieferung ersuchte[41].

GeldwŠsche ist nicht auf SŸdafrika beschrŠnkt. Sie kann wahrhaftig als eine regionale Industrie bezeichnet werden. In Sambia zum Beispiel explodierte mit der Liberalisierung des Finanzsektors 1992 die Zahl der dort operierenden Banken und Wechselstuben. Viele sambische Banken gehšren DrogenhŠndlern, wŠhrend sich andere darauf spezialisieren, gegen Provision Geld zu waschen. Die meisten Banken stellen keine Fragen nach der Herkunft der Einlagen. Laut Angaben der sambischen Drogenpolizei exportieren Geldinstitute jŠhrlich Millionen von Dollar, und bei der Mehrzahl der Gelder ist die Herkunft unbekannt. Die Existenz einer riesigen Anzahl von Wechselstuben in Sambia kann nur mit der GeldwŠsche erklŠrt werden, denn ihre Gewinnspannen sind sehr niedrig oder einexistent. †berdies sind in diesem Land zahlreiche WŠhrungshŠndler auf dem Schwarzmarkt aktiv. Infolge der Liberalisierung des Finanzmarktes und der fehlenden Kontrolle seines Ÿberentwickelten Finanzsektors ist Sambia zu einem regionalen Zentrum geworden, das darauf spezialisiert ist, Profite in das internationale Finanzsystem einzufŸhren, die aus dem regionalen (Drogen, Waffen, gestohlene Autos, etc.) und internationalen illegalen Handel (DrogeneinkŸnfte der asiatischen und europŠischen organisierten KriminalitŠt) stammen. DarŸber hinaus besitzen die in Sambia ansŠssigen HŠndler GeschŠfte, die sie fŸr die Schieberei und fŸr die WŠsche der EinkŸnfte benutzen. Die Methoden reichen von zu hohen Berechnungen bei Importen und zu niedrigen Rechnungen bei Exporten bis hin zur Bereitstellung von fiktiven Dienstleistungen.

Das alles sind klassische Methoden, die wŠhrend Jahrzehnten von Politikern Ÿberall in Afrika und ihren Partnern in der entwickelten Welt und zum Nachteil der afrikanischen Staatskassen entwickelt wurden. Wenn auch genaue Angaben fehlen, deutet die Besorgnis seitens der sambischen Regierung, der Opposition und der auslŠndischen Botschaften in Lusaka darauf hin, da§ die sambische Wirtschaft in hohem Ma§e ãgeschmiertÒ ist.

Ein weiteres erwŠhnenswertes Beispiel ist Mauritius: Obwohl die Insel als ein ãOffshoreÒ-Finanzzentrum bekannt ist, in dem grš§ere internationale Banken Zweigstellen eršffnet haben, um aus den eher laxen Bestimmungen, die dem Finanzsektor auferlegt sind, Vorteile zu ziehen, ist die ãOffshoreÒ-Aktivitht wahrscheinlich nicht der Hauptkanal fŸr die GeldwŠsche auf der Insel. Zwar existiert GeldwŠsche im Bankenund Finanzsektor sowie im Freihafen und in der Textilindustrie, aber Mauritius scheint aus anderen GrŸnden ein geeignetes Ziel fŸr Drogengelder zu sein. Die Kombination aus hoch profitablen wirtschaftlichen AktivitŠten, seinem blŸhenden Handel, der Industrie, den Immobilien und der GlŸcksspielindustrie und einer Ÿberkomplexen BŸrokratie liefert die idealen Rahmenbedingungen, die fŸr ein ãInshoreÒ GeldwŠschesystem notwendig sind. Politische Parteien werden finanziert und Luxusanwesen, aber auch šffentliche Wohnprojekte, unter ihrem Schutz gebaut. Dieses System hat viele Vorteile und funktioniert auch in anderen Teilen der Welt, wie etwa bei den hollŠndischen und franzšsischen Besitzungen in der Karibik[42]. Gemeinsam mit den EinkŸnften aus anderen illegalen Transaktionen, wie dem Verkauf gefŠlschter Markenwaren (Lacoste, Gucci, etc.) nach SŸdafrika und Europa[43], hilft das Drogengeld, die Errichtung einer besseren Infrastruktur mit Privatinvestition zu bezahlen und damit staatliche Gelder zu mobilisieren, um in einem zweiten Schritt Einrichtungen fŸr die Tourismusindustrie (Yachthafen, Einkaufszentren, Luxushotels) šffentlich zu finanzieren, was wiederum der GeldwŠsche dient. Das akkumulierte Kapital wird hauptsŠchlich nach Asien (Indien, Pakistan, Malaysia, die Emirate, etc.) transferiert. Dies geschieht normalerweise Ÿber informelle KanŠle wie ãhundiÒ, einem in der indisch-pakistanischen GeschŠftswelt weit verbreiteten Mittel, Barzahlungen (fŸr legale und illegale Zwecke) zu tŠtigen. Das Geld kommt dann Ÿber den formelleren Banktransfer in Form einer Auslandsinvestition zurŸck. Die direkte Auslandsinvestition genie§t auf Mauritius bemerkenswerte Steuervorteile. Zum Teil la§t sich das so ãerwirtschafteteÒ Kapital aber auch in Šhnlichen Investitionen (insbesondere Tourismus und Pflanzungen) in benachbarten LŠndern wie Sansibar, den Seychellen, SŸdafrika, Moambique und Simbabwe nieder, anstatt nach Mauritius zurŸckzukehren. Die asiatischen Bevšlkerungsgruppen in den LŠndern der Region (SŸdafrika, Tansania, Zimbabwe, etc.) greifen ebenfalls auf dieses System zurŸck und nutzen Mauritius als ein Etappenposten fŸr andere Bestimmungsorte, vornehmlich die ãemerging marketsÒ SŸdostasiens und China.

IV. Tauschhandel

Neben den ãklassischenÒ GeldwŠschemethoden, die hauptsŠchlich Kapitalbewegungen zur Folge haben und im sŸdlichen Afrika weit verbreitet sind, wirkt der Tauschhandel als eine strukturierende Kraft und ist eine der Besonderheiten der regionalen Schmuggel- und GeldwŠscheszene. Der Tauschhandel, die Methode der informellen Handelstransaktionen, erzeugt GeldwŠschemechanismen auf verschiedenen Ebenen. Die unterste Ebene, auf der Profite unter alle Bevšlkerungsteile verteilt werden, die in dem Drogenhandel verwickelt sind, betrifft nur selten Geldinstitute, ist aber allein wegen der Zahl der beteiligten Personen von Bedeutung. Sie berŸhrt die einzige lokal produzierte Drogenpflanze, die bedeutende Profite erzeugt, Cannabis. In einer Region der Welt, die reich an illegalem Handel in fremder WŠhrung, jedoch arm an Bargeld ist und die mit willkŸrlichen Wechselkursen und endemisch inflationŠren Tendenzen zu tun hat, kann Cannabis manchmal als eine ãharte WŠhrungÒ fŸr alltŠgliche Transaktionen dienen, die Ÿber die Grenzen hinweg getŠtigt werden und BasiskonsumgŸter betreffen. Gleichzeitig kann Cannabis aber auch gegen illegale Waren wie Waffen und gestohlene Fahrzeuge eingetauscht werden. Eine Praxis, die zuerst in den spŠten 80ern auftauchte, gewinnt jetzt an Boden Ñ nŠmlich gestohlene sŸdafrikanische Fahrzeuge in benachbarten LŠndern (Lesotho, Namibia, Moambique, Swaziland, Sambia, Zimbabwe) gegen Drogen (Mandrax und Marihuana) oder Waffen einzutauschen, die hŠufig in einem weiteren gestohlenen Fahrzeug importiert werden.

Diese Art des Handels scheint ursprŸnglich von Teilen der Anti-Apartheid-Bewegung in Gang gesetzt worden zu sein; inzwischen haben sich ihre Akteure diversifiziert. Wie Stephen Ellis es fŸr den Fall SŸdafrika erklŠrt: ãAuf einer lokalen Ebene versuchen bewaffnete Milizen und Banden einen Teil des Gebietes zu kontrollieren, um daraus Profit zu ziehen. Einige von ihnen [...] schmieden Allianzen mit Parteien oder einzelnen Politikern und mit GeschŠftsleuten, die wissen, wie man Dinge importiert, die sie am meisten benštigen, Waffen und Munition, und diese GŸter gegen das eintauschen, was sie zu exportieren haben, insbesondere Marihuana und gestohlene AutomobileÒ[44]. In Lesotho kann Vieh, das ein wesentliches Element in der BasothoKultur darstellt, in SŸdafrika gestohlen sein und gegen Marihuana getauscht werden, das in Lesotho produziert wurde. Umgekehrt werden in Lesotho gestohlene KŸhe gegen ãdaggaÒ getauscht, das in SŸdafrika hergestellt wurde. †berall in der Region ist es mšglich, Drogen oder Diamanten gegen fast alles, insbesondere gegen andere gestohlene Waren wie Schiffsladungen mit Bier, Videoapparate, Stereoanlagen, etc. einzutauschen. In einer Cannabis produzierenden Region in SŸdsambia, so erzŠhlten Informationsquellen der OGD, wurde die Cannabis-Industrie von Stadtbewohnern angekurbelt. Sie kamen in das lŠndliche Gebiet, um lokal produziertes Marihuana gegen BasiskonsumgŸter wie Radios, Bekleidung, FahrrŠder, etc. zu tauschen, die die Bauern brauchten, aber in den GeschŠften dort nicht finden konnten oder die fŸr sie zu teuer waren. DarŸber hinaus kommt es im sŸdlichen Afrika immer hŠufiger vor, da§ Marihuana gegen in Europa hergestellte synthetische Drogen wie LSD und Extasy getauscht wird.

Gelegentlich kšnnen die Profite, die aus den Transaktionen entstehen, bei denen Cannabis verkauft oder getauscht wird, von Bedeutung sein. In den meisten FŠllen sind sie es jedoch nicht, da sie kleine Netzwerke betreffen, die von lokalen Akteuren (arme Bauern, lokale GeschŠftsleute oder Verwaltungsbeamte, etc.) gebildet werden und die Banken kaum erreichen. Nichtsdestotrotz wird Geld von Produzenten, illegalen HŠndlern und Stra§endealern gewaschen. Soweit es diese Akteure betrifft, bedeutet ãGeldwŠscheÒ die Verbesserung des alltŠglichen Lebens; zum Teil mŸnden sie in kleine Investitionen, wie den Kauf eines Fahrrads, eines Autos oder von Baumaterial. WŠhrend die GeldwŠsche im kleinen Stil aus der Produktion und dem Cannabis-Verkauf auf Kleinhandelsebene stammt und charakteristisch fŸr lokale †berlebensstrategien ist, existiert eine bedeutsamere Tauschhandelsvariante, die sich Šhnlicher Methoden wie die der GeldwŠsche von Drogengeldern bedient. GŸter mit hohen Gewinnspannen werden mit Drogengeldern aufgekauft, die im nŠchsten Schritt zu ãWŠhrungenÒ werden. Waren wie Gold, Diamanten, nicht-eisenhaltige Metalle sowie Exportprodukte wie Kaffee und Tee waren fŸr lange Zeit an solchen Transaktionen mit hoher Wertschšpfung beteiligt.

Ihre gut funktionierenden Netzwerke werden hŠufig von Staatsinteressen, hochstehenden Persšnlichkeiten und manchmal von Interessen aus anderen Kontinenten wie Europa und Amerika geschŸtzt. Um nur ein Beispiel zu geben: einige afrikanische LŠnder erscheinen als Diamantenexporteure, obwohl sie keine Produzenten sind. In anderen LŠndern kommt es zu einer Differenz zwischen der Karatmenge, die sie zu exportieren behaupten und den Karat, die auf dem Diamantenmarkt von Antwerpen tatsŠchlich als Import registriert sind. Die internationale Gemeinschaft der Diamantenbranche scheint diesen Zustand der GeschŠfte als eine Tatsache zu akzeptieren. ZurŸck in SŸdafrika kaufen DrogenhŠndler Diamanten auf dem Schwarzmarkt ein und verkaufen sie dann an Lizensinhaber weiter, die ihre Steine von unabhŠngigen Produzenten und SchŸrfern erwerben. Beide Praktiken nutzen den Tauschhandel, jedoch auf vollkommen verschiedenen Ebenen, und sie haben eine unendliche Bandbreite an Variationen, wobei Waren mit hohen Gewinnspannen (w.g. IllegalitŠt) oder hoher Wertschšpfung die Rolle einer WŠhrung spielen, besonders, wenn sie Teil eines Netzes oder einer Industrie sind, die einen relativ guten ãSchutzÒ genie§t.

V. Schlu§bemerkung

Die ethnischen Schranken, die ãkriminelleÒ Infrastruktur und die Tauschhandelsgewohnheiten, die aus den Jahrzehnten des Konflikts ererbt sind, der die Region zerrissen hat, spielen eine bedeutsame Rolle in der heutigen Drogenhandelsszene des sŸdlichen Afrikas. Diese drei Faktoren interagieren auf vielfŠltige Art miteinander und prŠgen die Drogenszene in der Region, insbesondere was den internationalen Handel und den lokalen Konsum anbetrifft, in erheblichen Ma§e. WŠhrend regional produziertes Cannabis vor allem dem intraregionalen Austausch und der GeldwŠsche auf niedrigem Niveau dient, werden Kokain, Heroin und Mandrax zunehmend innerhalb der gro§ angelegten GeldwŠscheprogramme oder als Bezahlung fŸr Waren, wie Gold, Diamanten, Elfenbein, Nashornhšrner und sogar Tabak und Tee aus dem sŸdlichen Afrika benutzt[45]. Die Geographie der illegalen HandelsaktivitŠten, die sich der OGD auf der Grundlage der in diesem Beitrag z.T. erlŠuterten Studien erschlossen hat, zeigt deutlich, da§ Drogenhandelsnetze Šltere, informelle wie illegale KanŠle und Routen aufgegriffen haben.

Die Handels- und Konsumszene des sŸdlichen Afrikas kann in drei breite ãDrogengegen-regionale-WarenÒ-Einflu§gebiete eingeteilt werden: die ãOstkŸsteÒ, an der Ÿberwiegend Mandrax oder Heroin gegen Gold getauscht wird (Mauritius, Mocambique und Tansania); die ãWestkŸsteÒ als das ãKokain-gegen-DiamantenÒ-Gebiet (Angola, Botswana, Namibia und Zimbabwe); und die ãgemischtenÒ LŠnder (Lesotho, Malawi, SŸdafrika, Swaziland und Sambia), die aufgrund einer Kombination verschiedener Faktoren einschlie§lich ihrer geographischen Lage, der verfŸgbaren Ressourcen und ihrer ethnischen Konflikte, Gold und Diamanten im Tausch gegen Kokain und Heroin exportieren.

An der OstkŸste des sŸdlichen Afrika scheinen die Handelskontakte aus der Heroinszene in den Gold- und Methaqualone-Schmuggelnetzen aufzugehen, die Afrika mit dem indischen Subkontinent verbinden. Von Sansibar bis Durban ziehen die DrogenhŠndler aus dem traditionellen ãAfrika der Handelsposten und der HŠfenÒ am indischen Ozean ihren Vorteil. Sie nutzen die im sŸdlichen Afrika verfŸgbaren Dienstleistungen und profitieren von seinen FreihŠfen, die den Export legaler wie illegaler Waren aus der OstkŸstenregion des sŸdlichen Afrikas und den landumschlossenen LŠndern erleichtern. Diese Handelswege reichen zurŸck in die Zeit, als die Araber im 15. Jahrhundert erste Handelsposten im heutigen Tansania und Kenia errichteten. Daher ist es nicht Ÿberraschend, da§ Tansania, Moambique, Mauritius[46] und in geringerem Ma§e SŸdafrika heute als TransitlŠnder fŸr Haschisch und Heroin aus dem indischen Subkontinent agieren.

DemgegenŸber scheinen die das Kokain betreffenden HandelsaktivitŠten mehr mit Marschrouten, Netzen und illegalen Handelsstrukturen verbunden zu sein, die in Lateinamerika (insbesondere Brasilien) und Europa entstanden sind. So hat es den Anschein, da§ Angola, Namibia, und SŸdafrika in den internationalen Kokainhandel ebenso sehr verstrickt sind, wie in den Handel mit Diamanten, Waffen, Nashornhšrnern und Elfenbein. Daher sind an der WestkŸste des sŸdlichen Afrikas die Gro§handels- und Stra§enpreise fŸr Kokain viel geringer als an der OstkŸste und nŠhern sich den Preisen an, die in einigen westafrikanischen LŠndern wie Ghana, Nigeria, Senegal, etc. Ÿblich sind.

Drogen sind flexible geopolitische Waren, die auf viele Arten von einer Menge an Institutionen, Organisationen und Individuen genutzt werden, um vielfŠltige BedŸrfnisse zu befriedigen und sich den Anforderungen der stŠndig verŠndernden Bedingungen anzupassen[47]. Die Ergebnisse der OGD-Studie Ÿber das sŸdliche Afrika dienen als eine perfekte Veranschaulichung dieser allgemeinen Regel. TatsŠchlich sieht es so aus, als ob die aus dem Drogenhandel stammenden Profite die Verluste, die mit dem Ende der meisten regionalen Konflikte aus der Normalisierung eines gro§en Teils der geheimen TauschgeschŠfte entstanden sind, ausgleichen wŸrden. Um im GeschŠft zu bleiben, haben sich die uralten Schmuggelnetze der neuen geopolitischen Situation angepa§t. Nun werden Drogen als ãWŠhrungenÒ im Tauschhandel benutzt, da sie dank ihres Verbots zu GŸtern mit hohen und sicheren Gewinnspannen geworden sind. Die Tatsache, da§ viele der grš§eren Netzwerke in Partnerschaft mit bedeutenden politischen und škonomischen KrŠften, sowohl aus der Region, als auch weltweit, betrieben werden, deutet darauf hin, da§ die neue Rolle des sŸdlichen Afrikas als eine Transit- und Konsumregion fŸr Drogen und als ein GeldwŠschezentrum mehr als nur eine vorŸbergehende Phase ist. Wahrscheinlicher ist es, da§ sich der Drogenhandel mit den dazugehšrigen Extraprofiten neben Diamanten, Gold und landwirtschaftlichen GŸtern fest etabliert hat und die Integration SŸdafrikas in die ãglobalisierteÒ …konomie erleichtert.

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NOTEN

[1] Die Lateinamerikanistin Rita Hoppe aus Berlin Ÿbersetzte den Text aus dem Englischen.

[2] Tilly, C.: ãWar Making and State Making as Organized CrimeÒ, in Evans, P., Ruschmeyer, D. & Skocpol, T.: Bringing the State Back In, Cambridge university Press, Cambridge, 1984, pp. 169-191.

[3] In diesem Artikel sind mit ãSŸdafrikaÒ oder ãdie RegionÒ folgende LŠnder gemeint, die alle Mitglieder der Southern African Development Community (SADC) sind: Angola, Botswana, Lesotho, Malawi, Mauritius, Moambique, Namibia, SŸdafrika, Swaziland, Tansania, Sambia und Zimbabwe.

[4] Grundsubstanz von Mandrax.

[5] Sie erfuhren seitdem einen signifikanten Anstieg.

[6] Die Quellen dieser Zahlen stammen aus einer Reihe von Berichten von Interpol und der Weltzollorganisation.

[7] Die Feldstudie wurde im Sommer 1997 durchgefŸhrt. Es mu§ betont werden, da§ die in diesem Artikel vorgebrachter Argumente in der alleinigen Verantwortung des Autors liegen und da§ sie nicht notwendigerweise die Meinung der OGD oder der EuropŠischen Union wiedergeben.

[8] Wichtige Ausnahmen sind Mauritius, Namibia und Tansania.

[9] Gleichwohl exportiert auch Kolumbien Marihuana Ÿber die RSA: im Dezember 1998 wurden 18 Metertonnen kolumbianisches Marihuana im Hafen von Durban, SŸdafrika, beschlagnahmt.

[10] Um nur ein Beispiel zu geben: am 3. Mai 1994 wurden im Hafen von Montreal, Kanada, 26,4 Metertonnen pakistanisches Haschisch konfisziert, die sich in drei Containern fŸr Kleidung und Tee befanden, von denen einer Ÿber den Hafen von Durban gekommen war.

[11] FŸr einen †berblick Ÿber die Drogensituation im Vereinigten Kšnigreich siehe ãPolydrug Use and Polydrug Trafficking in the UK: A Model for Europe?Ò, in OGD: The World Geopolitics of Drugs 1997/1998, OGD, Paris, Oktober 1998.

[12] FŸr einige Details zum chinesischen und russischen organisierten Verbrechen in der RSA siehe Beresford, D.: ãSA crime is getting organizedÒ, in The Weekly Mail and Guardian, 13. Februar 1998.

[13] Es gibt Ausnahmen von dieser allgemeinen Regel. Eine ist die amerikanische ãAnthropoIogenschuleÒ fŸr Drogenforschung, die einige ausgezeichnete Arbeiten Ÿber den Drogenhandel auf lokaler Ebe ne hervorgebracht hat, wie Bourgois, P.: In Search of Respect: Selling Crack in El Barrio, Cambridge University Press, Cambridge, New York and Melbourne, 1995.

[14] Die OGD hat sich einige Zeit lang bemŸht, beides, die Nachfrage und das Angebot von Drogen, als Teile desselben Problems zu berŸcksichtigen, siehe zum Beispiel ãPolydrug Use and Polydrug Trafficking in the U.K.: A Model for Europe?Ò und ãHeroin Networks and Markets in EuropeÒ, beide in OGD: The World Geopolitics of Drugs 1997/1998, op. cit. In diesem Zusammenhang kann auch Christian Geffray's Studie Ÿber den ãKokainboomÒ im brasilianischen Bundesstaat Rondšnia in der Amazonasregion erwŠhnt werden.

[15] An dieser Stelle wiederholen wir, da§ die quer durch alle Schichten mit Abstand verbreitetste Droge im sŸdlichen Afrika der Alkohol ist. Alkohol lŠ§t auch den Konsum problematischerer Drogen in der Region entstehen. Gleichwohl sind in diesem Artikel mit dem Wort ãDroge(n)Ò, sofern nicht anders angegeben, illegale Drogen gemeint.

[16] Die sŸdafrikanischen Behšrden registrierten den Konsum von Crack, auch bekannt als ãrockÒ, zuerst im Jahre 1993. 1996 schŠtzte Dr. Sylvain Miranda, Direktor des Behandlungszentrums von Phoenix House und der SANCA, da§ es allein in der Gauteng-Provinz 150.000 Crack-Konsumenten gibt. Er ging so weit, vorauszusagen, da§ es im Jahr 2000 republikweit 500.000 sein wŸrden. Obwohl die meisten Crack-Dealer und Konsumenten im Gebiet von Johannesburg anzutreffen sind (besonders in den Distrikten Hillbrow und Berea), scheint der Crack-Konsum sich auf andere grš§ere stŠdtische Gebiete wie Kapstadt und Durban auszubreiten.

[17] In der ersten HŠlfte der 80er Jahre war der Konsum von Mandrax auf Wei§e und Farbige aller sozialer Klassen beschrŠnkt; Schwarze waren normalerweise so arm, da§ sie ihn sich nicht leisten konnten.

[18] Siehe Ryan, T.: ãLet the public into the dagga debateÒ, in The Weekly Mail and Guardian (Johannesburg), 6. MŠrz 1998.

[19] Fracassi, F. & Evans, L.: ãMoney can buy immunityÒ, in The Weekly Mail and Guardian, 25. Juli 1997.

[20] Wie wahr dies auch sein mag, der internationale Druck und das Bestreben der Regionairegierungen, vollwertige Mitglieder der internationalen Gemeinschaft und dadurch fŸr IWF und Weltbank kreditwŸrdig zu werden, kann zum Verbot von Cannabis-Besitz und -Konsum in LŠndern fŸhren, in denen er zuvor erlaubt war. Der jŸngste Fall ist Moambique, das 1997 Cannabis (dort bekannt als ãsurumaÒ) erst Šchtete und dann alle Drogenkonventionen der Vereinten Nationen im Juni 1998 unterzeichnete. Siehe Laniel, L.: ãThe ÒDrug SummitÓ, New York 8-10 June 1998Ò, MOST-Drugs Report Series, Number 3, UNESCOÕs MOST-Drug Program, Paris, Oktober 1998, Annex la.

[21] Du To”t, B.: Cannabis in Africa, veršffentlicht fŸr das African Studies Center, University of Florida, Gainesville, A.A. Balkema, Rotterdam, 1980, S. 8, stellt fest, da§ Cannabis ãfast mit Sicherheit in dem sŸdlichen Teil des Kontinents (Afrika) in vorportugiesischer Zeit, d.h. vor A.D. 1500, genutzt wurdeÒ; wŠhrenddessen behauptet Gille, J.: A Short History of Lesotho, Morija Museum & Archives, Morija (Lesotho), 1993, S. 7, da§ dagga den San vor 1550 bekannt war.

[22] Siehe Du To”t, B., op. cit.

[23] Laniel, L.: Cannabis in Lesotho: A Preliminary Survey, MOST-Diskussionspapier No. 34, UNESCO, Paris, 1999 listet einige der traditionellen medizinischen Verwendungen von Marihuana, lokal bekannt als ãmatekoaneÒ, in Lesotho auf.

[24] Marihuana hat Ÿberall in Afrika sŸdlich der Sahara den Ruf, mehrere nŸtzliche Wirkungen zu haben. Eine der am hŠufigsten genannten ist die, da§ es seine Konsumenten befŠhigt, hŠrter zu arbeiten. FŸr Details hierzu und zu anderen berichteten funktionalen Verwendungen siehe Laniel, L: ãO va la production de cannabis: MarchŽ local de la consommation et developpement des cultures illicites au GhanaÒ, in OGD: Les drogues en Afrique subsahanenne, Karthala/UNESCO, Paris, 1998; und Laniel, L.: ,,Violencia y marihuana: usos del 'tabaco del diablo' en el Ghana contempor‡neoÒ, in Inchaurraga, S. (comp.): Drogas y Drogadependencias, TeorIa, Clinica e Instituciones, CEAD-SIDA, Universidad Nacional de Rosario, 1997.

[25] Laniel, L.: ãCannabis in LesothoÒ, op. cit., liefert den Beweis, da§ Marihuana nahezu 50% des Gesamteinkommens und fast 100% des Bareinkommens der Bauern in den bergigen Distrikten von Lesotho erbringt.

[26] Koch, E. & Mthembu, E.: ãThe crop that clothes, feeds and educates... is illegalÒ, in The Weekly Mail and Guardian, 25. Juli 1997.

[27] FŸr Einzelheiten zum Cannabis-Agro-Business in Lesotho siehe Laniel, L.: Cannabis in Lesotho, op. cit.

[28] Die bekanntesten Beispiele sind SŸdafrika bis in die frŸhen 90er, Rhodesien/Zimbabwe mindestens bis 1980 und Namibia bis zur UnabhŠngigkeit im Jahr 1990. Obwohl nicht von gleicher IntensitŠt, sind auch Angola und Mauritius zu nennen.

[29] Huntington, S.: ãThe Clash of CivilizationsÒ, in Foreign Affairs, Vol.72, No.3, Sommer 1993.

[30] Bis zum heutigen Tage kommt die Versorgung der UNITA aus SŸdafrika oder durchquert das Land; siehe ãThe Angolan ConnectionsÒ, in The Geopolitical Drug Dispatch, No.79, Mai 1998.

[31] The Weekly Mail and Guardian von Johannesburg veršffentlichte die folgenden Worte eines bunschen SANAB-Beamten, der wŠhrend einer Ð eher brutalen Ð Drogenrazzia in den Distrikten Hillbrow und Berea (Spitzname ãKlein LagosÒ) interviewt wurde: ãWiese sagt, da§ Ÿber 80% der Dealer aus Nigeria kommen. âNur sie kšnnen es sein, wer sonst? /Js SŸdafrika sich dem Rest der Welt šffnete, begannen die Nigerianer, Drogen einzufŸhrenÕ.Ò, in Amupadhi, 1. & Commandeur, M.: ãSearching for a guilty NigerianÒ, in The Weekly Mail and Guardian, 18. April 1997.

[32] Mauer, M.: Race to Incarcerate, The Sentencing Project, Washington DC., 1999. Die Tendenz, die Schuld fŸr Drogenprobleme af ãAu§enseiterÒ oder AuslŠnder abzuwŠlzen, ist weit davon entfernt, auf das sŸdliche Afrika oder die Vereinigten Staaten beschrŠnkt zu sein. Es ist in der Tat ein Problem, das die OGD Ÿberall in der Welt, einschlie§lich Europa, vorgefunden hat.

[33] €hnliche €u§erungen wurden von Polizeibeamten aus Swaziland und Zimbabwe gemacht.

[34] Siehe obigen Abschnitt Ÿber Cannabis.

[35] Brummer, S.: ãSecret chemical war remains secretÒ, in The Weekly Mail and Guardian, 23. August 1996.

[36] Koch, E. & Fleming, D.: ãBizarre experiments at SADF research firmsÒ, in The Weekly Mail and Guardian, 15. Dezember 1994: und Oppermann, C.: ãProsecutors ecstatic as Basson's buddy talksÒ, in ibid, 27. Juni 1997.

[37] Brummer, S.: ãSecret chemical war remains secretÒ, op.cit.

[38] ãThis is an off-the-record conversation tonightÒ, in Nose Week, April/Mai 1987.

[39] Siehe Ellis, S.: ãAfrica and International Corruption: The Strange Case of South Africa and SeychellesÒ, in African Affairs, Vol. 95, No. 379, April 1996.

[40] FŸr ein journalistisches Portrait von Rashied Staggie und seine Bande (farbig), die Hard Livings, die die ma§geblichen Drogenverteiler in der Gro§region Kapstadt sind, siehe ãWho is... Rashied StaggieÒ, in The Weekly Mail and Guardian, 16. Juni 1998; und Thiel, G:. ãCape drug war heads for the pollsÒ, in ibid, 4. April 1997.

[41] Smith, P.: ãNats were in bed with Mafia bossÒ, in The Weekly Mail and Guardian, 5. Februar 1999; und Daffy, A.: ãTop cop backs mafia manÒ, in ibid, 12. Dezember 1997.

[42] Siehe ãSaint-Martin Only Gives to the RichÒ, in The Geopolitical Drug Dispatch, No.87, Januar 1999.

[43] Zum Beispiel erscheint Mauritius in Zollstatistiken an der Seite von Thailand und China als einer der Hauptlieferanten von Billigimitaten fŸr Frankreich.

[44] Ellis, S., op. cit.

[45] Der Wohlstand der innerhalb SŸdafrikas durch Cannabis-Exporte in den Rest der Welt hervorgebracht wurde, wird im Vergleich mit den Profiten, die aus den Diamanten, dem Gold, Elfenbein und den Nashomhšrnern erwachsen, als marginal angesehen.

[46] Inzwischen wurde in diesen drei erwŠhnten LŠndern Heroin zur verbreitetsten und am hŠufigsten mi§brauchte Droge, die zu einem sehr niedrigen Stra§enpreis verkauft wird Ð vgl. Charles, M. & Britto, G.: ãCultural Impact of Prohibition Policies as Consequence of International Co-operationÒ, in Schšnenberg, R. (Hrsg.): International Drogenhandel und gesellschaftliche Transformation, Deutscher UniversitŠts-Verlag, Wiesbaden, 2000.

[47] Laniel, L.: ãDrugs and Globalisation: An Equivocal RelationshipÒ, in International Social Science Journal, No. 160-Globalisation, Juni 1999.

Huitzilopochtli

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